Bundeswehr-Bericht: deutsche Soldaten müssen mit Gangstern zusammenarbeiten. Und alle wissen es.

21. Februar 2011 von | Keine Kommentare

Die Bundeswehr beurteilt die Lage in Afghanistan in einem internen Bericht düsterer als bisher bekannt. Keine große Rede von Fortschritten. Stattdessen wird detailliert über die laufenden Probleme berichtet.

So geht aus dem gut 300 Seiten starken Bericht des Geoinformationsdienstes der Bundeswehr, der der WAZ vorliegt, hervor, dass die Bundeswehr momentan vor allem das Entstehen halbstaatlicher Milizen als großes Problem ansieht.

Diese würden zwar von afghanischen Behörden ermuntert, gegen Taliban zu kämpfen, unterlägen aber keiner Kontrolle und seien schwer als Partner einzubinden. „Die Entwicklung droht außer Kontrolle zu geraten”, heißt es in dem Bericht. Eine Eindämmung könne nur gelingen, wenn die Milizen in eine zentrale Afghan Public Protection Force integriert würden. Teilweise arbeitet die Bundeswehr mit diesen Milizen direkt zusammen.

Die Kriminellen vor Ort können auf korrupte afghanische Polizisten und Soldaten zählen: Die Bundeswehr sieht zu.

Als weiteres ernstes Problem wird die afghanische Polizei identifiziert. Diese leide unter „systemimmanenter Korruption”. Die Rede ist von einer „Drogenwirtschaft”. Eine Verbesserung der Lage könne es nur geben, wenn die „persönliche Situation” der afghanischen Polizisten verbessert werde. Tatsache aber sei, dass derzeit die organisierte Kriminalität auf die Zusammenarbeit mit der Polizei, dem Militär und den Milizen rechnen könne. Vor allem Drogen würden mit Hilfe der korrupten Sicherheitskräfte transportiert und auch exportiert. „Bestechung ist an der Tagesordnung”, heißt es in dem Bericht. Leitende Grenzpolizisten würden „nicht selten” 100 US-Dollar für das „Wegschauen” erhalten – teilweise seien sie aber auch „direkt” in den Drogenhandel involviert. Kämpfe gegen Nato-Truppen würden die Drogentransporteure nur deshalb vermeiden, weil sie an sicheren Transitwegen interessiert seien. Diese würden die Nato-Truppen gerade auf der wichtigen Ringstraße im Norden garantieren.

Diese Analyse ist aber nicht das Besondere an dem Bericht. Das Meiste vom Inhalt ist bekannt.

Entscheidend ist, dass die Bundeswehr intern offen klarstellt, wie die Lage in Afghanistan ist. Und dass allen bekannt ist, dass die deutschen Soldaten mit Gangstern zusammenarbeiten müssen. Dass sie sogar mit einem Kriegsverbrecher wie Abdul Raschid Dostum kooperieren müssen, der 1997 für die brutale Ermordung von etwa 3000 Gefangenen verantwortlich war. Er ließ sie in Stahlcontainern in der Wüste verdursten.

Der Bericht ist als Verschlusssache nur für den Dienstgebrauch klassifiziert. Er dient den Soldaten in Afghanistan als Reiseführer. Außenstehende sollen die Wahrheit, wie sie die Bundeswehr sieht nicht lesen.

Der Bericht wird ständig aktualisiert und ist elektronisch im Intranet der Bundeswehr unter dem Verweis: online/Dienstvorschriften/Druckschriften Einsatz/Nr.36 abrufbar.

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