Dopingkontrollen “rechtlich nicht akzeptabel”
Drei Monate im Voraus abmelden, zum Teil stundengenau – und sich dann beim Pinkeln aufs Geschlecht schauen lassen: Dopingkontrollen stehen seit längerem in der Kritik. Ein Positionspapier von Datenschützern gibt jetzt all jenen neues Futter, die das System für ungerecht, ineffizient und rechtlich fragwürdig halten. Entsteht eine überfällige Diskussion?
“Die Art und Weise der konkret praktizierten Anti-Doping-Kontrollen ist zu weitgehend und schießt teilweise über das berechtigte Ziel, Doping zu verhindern, hinaus. Die geforderten Unterwerfungserklärungen der Sportlerinnen und Sportler unter diese Kontrollmaßnahmen sind rechtlich nicht akzeptabel.”
Mit diesen Sätzen, gestern veröffentlicht, wird das Kontrollsystem von NADA und WADA abgewatscht. Die Datenschutzbeauftragten von Rheinland-Pfalz und Schleswig-Holstein beschäftigen sich auf Anfrage von Sportlern seit 2010 mit dem Doping-Kontrollsystem.
Derzeit müssen Spitzensportler in dem Online-System ADAMS ihren Aufenthaltsort zum Teil drei Monate im Voraus angeben, Athleten besonders gefährdeter Sportarten müssen zudem eine Stunde pro Tag konkret verfügbar sein für mögliche Kontrollen. Bei der Abgabe schauen die Kontrolleure den Sportlern auf das Geschlecht, weil Sportler in der Vergangenheit mehrfach fremdes Urin abgegeben hatten – zum Beispiel über einen in der Hose versteckten künstlichen Penis.
Die Datenschützer bescheinigen dem harten Kontrollsystem nun zahlreiche Problem. So könne sich der Sportler nicht mehr ins Private zurückziehen, das System hindere ihn daran, seine Freiheitsrechte wahrzunehmen, die Effizienz des Kontrollsystems sei nicht belegt und es sei fraglich, ob der Blickkontakt bei der Urinkontrolle verhältnismäßig ist. Außerdem listen sie einige rechtliche Probleme bei der Datenübermittlung auf.
Das gesamte Positionspapier findet sich auf den Seiten des Datenschutzbeauftragten von Schleswig-Holstein.
Ende vergangenen Jahres hatten unter anderem FAZ, Süddeutsche und die WDR-Sendung Sport Inside bereits über einen ersten Entwurf der Datenschützer berichtet; der Aufschrei war groß, die NADA verteidigte ihr System öffentlich und traf sich mit den Datenschützern. Die NADA erweckte den Eindruck, als sei alles gar nicht so schlimm. Dies dürfte sich jetzt ändern.
Die Datenschützer fordern nun gesetzliche Grundlagen, ein umfassendes Anti-Doping-Gesetz. Die Stimmen für ein solches Gesetz mehren sich. Ich hoffe, dass sich in den nächsten Tagen und Wochen eine neue Diskussion entsteht.



Ich hoffe, dass keine Diskussion entsteht oder wenigstens, dass sie nur da geführt wird, wo sie mich nicht tangiert. Das Thema Doping bewegt vor allem zwei Sorten Kundschaft: Journalisten und Sportler, die auf den hinteren Plätzen landen. Doping ist, wird immer sein. Die Kontrollen dienen der Rechtfertigung, dass man ja etwas dagegen tue. Soll sich jeder vollblasen oder es lassen – wie er will. Was ist mit der Jugend? Der muss man rechtzeitig klarmachen, dass man es an die Weltspitze ohne nicht schafft. Ein Gesetz? Wer soll das beschließen – die die sich durch Plagiate oder durch Intrigieren durch die Parteilaufban gemogelt haben? Datenschutz interessiert übrigens auch keinen Arsch – sonst wäre Internet nicht so gefragt.
Peter Wegner am 27. Juli 2011 um 18:08Sehe ich komplett anders. Doping ist jetzt schon ähnlich verbreitet wie klassische Drogen. Und wenn ich die Spitze spritzen und schlucken lasse, wie sie will, dann kommt das Zeug noch viel schneller bei 14-, 15-, 16-Jährigen an, als es das ohnehin schon tut.
Daniel Drepper am 28. Juli 2011 um 06:24