Ein Geschäft mit dem guten Willen

6. August 2011 von | 6 Kommentare

Es klingt nach einem fairen Geschäft: Soziale und kulturelle Einrichtungen wie Kinderheime, Schulen, Sportvereine oder Theater bekommen in NRW ein Auto fünf Jahre lang kostenlos zur Verfügung gestellt, bezahlt von sogenannten „Sponsoren“, die als Gegenleistung Anzeigenflächen auf dem Fahrzeug bekommen. Ein faires Geschäft, wenn da nichts diese Nummer mit der Abzockerei wäre. Von Gastautorin Jule Körber

Die Firma Pro Humanis Humansponsoring etwa hat bislang circa 500 werbefinanzierte Autos auf die Straße bekommen. Und verdient damit viel Geld. Denn die Sponsoringeinnahmen stehen oft in einem seltsamen Verhältnis zu dem sozialen Zweck, dem sie dienen sollen. So werden schon mal auf einem Auto Werbeplätze für über 50.000 Euro verkauft – bei einem Wert von knapp 29.000 Euro je Wagen. Die Überschüsse bleiben bei Pro Humanis.
Um an die satten Gewinne zu kommen, geht Pro Humanis nach Recherchen der WAZ durchaus ruppig vor. Zeugen berichten unter anderem von „Cold Calls“. Dabei werden potentielle Neukunden ohne deren Einwilligung angerufen und zu Anzeigenschaltungen überredet. Diese Kaltakquise ist in vielen Fällen rechtlich unzulässig. Damit aber nicht genug. Bei einem Fahrzeug für den Arbeiter-Samariter-Bund in Hessen ging es nach Angaben eines Zeugen so weit, dass sich ein Pro Humanis Telefonist als ASB-Mitarbeiter ausgab und das erst unterließ, nachdem Pro Humanis vom Arbeiter-Samariter-Bund ausdrücklich dazu aufgefordert wurden.
Pro Humanis erklärte, das Unternehmen verstehe den Begriff „Kaltaquise“ nicht. Zudem treffe es nicht zu, dass sie Pro Humais Mitarbeiter als ASB-Leute ausgegeben hätten. „Eine solche Vorgehensweise entspricht nicht den Direktiven unseres Hauses.“
Dafür gehört das Profitieren von sozialen Projekten ganz offensichtlich zu den Prinzipien von Pro Humanis. Ein Beispiel aus Hattingen: Dort wurde vor kurzem ein Pro-Humanis-Fahrzeug an ein christliches Jugendhaus übergeben, ein Fiat-Van. Auf diesem Van befinden sich 27 Werbeflächen von „Sponsoren“, die nach WAZ-Recherche je nach Größe und Position der Fläche zwischen 1700 und 3260 Euro bezahlen, inklusive Bearbeitungsgebühr.
Bei 5 Jahren Laufzeit sieht das nach einem fairen Preis für solch eine Werbefläche aus. Rechnet man nun damit, dass der Großteil der Anzeigen, 20, kleine Flächen zu 1700 Euro sind und ein kleinerer Teil, 7, größere, kommt man auf einen Umsatz von fast 57.000 Euro für das Hattinger Auto. Fiat selbst veranschlagt je nach Modell und Ausstattung um die 29.000 Euro für den Van.
Macht rechnerisch einen Ertrag von bis zu 28.000 Euro für Pro Humanis.
In Olpe in Südwestfalen wurde vor einigen Jahren sogar ein Van mit 42 Werbeflächen an eine Förderschule übergeben – selbst bei ausnahmslos kleinen Werbeflächen entsteht so ein Umsatz für Pro Humanis von 71400 Euro.
Wie hoch der Umsatz tatsächlich ist, kann niemand sagen. Pro Humanis legt seine Zahlen nicht offen — und bestreitet, große Profite zu machen. Denn den Erträgen stünden auch hohe Kosten für die Sponsorenbeschaffung gegenüber. Das Telefonieren kostet schließlich auch Geld.
Im WAZ-Gespräch ärgerte sich einer der Hattinger „Sponsoren“: „Wir hätten lieber direkt mit dem christlichen Jugendhaus Hattingen zusammengearbeitet.“ Pro Humanis habe versucht bei Vertragsabschluss automatisch eine Laufzeitverlängerung für ein weiteres Jahr zu „verkaufen“. Solch eine von dem Sponsor als Abofalle bezeichnete Klausel ist in dem Vertrag fixiert: „Der Vertrag verlängert sich automatisch ohne Neubeantragung um weitere 5 Jahre, wenn nicht 6 Monate vor Ablauf des Vertrages schriftlich gekündigt wird“. „Nach über 4 Jahren denken nicht viele an die Kündigung“, kommentiert einer der Hattinger „Sponsoren“ diese Klausel. Und ein weiterer, verärgerter Pro Humanis Werbekunde kommentiert das „Engagement“ der Firma schlicht mit: „Ich glaube, es ging denen ausschließlich um den Verkauf der Werbeflächen“.
Besonders ärgerlich wird das Ganze, wenn man in das Kleingedruckte der sozialen Arbeit schaut. So fordert Pro Humanis auch schon mal Fahrzeuge nach fünf Jahren zurück. Der „geschenkte“ Gaul ist nur geliehen.
Mittlerweile hat einer der Hattinger Sponsoren, eine Reiseagentur, ihren Vertrag mit sofortiger Wirkung auf Rat ihres Anwaltes gekündigt und die Zahlungen eingestellt. „Wir bekommen weiterhin jeden Monat die Rechnung und haben auch schon verschiedene „letzte Mahnungen“ erhalten. Wir warten jetzt auf den gerichtlichen Mahnbescheid, dem wir widersprechen werden und sehen der dann eventuell folgenden Klage gelassen entgegen. Die tun übrigens immer so, als wenn Sie keine Briefe, Einschreiben oder Mails erhalten hätten. Null Reaktion!“. Die Methode Pro Humanis fasst die Reiseagentur mit einem Satz zusammen: „Die machen Geld unter dem Deckmantel des guten Zwecks“.

Geschenkt ist nicht gleich kostenlos

Ein Fahrzeug für 5 Jahre kostenlos – das klingt gut. Doch die Institutionen bedenken oft die Nebenkosten der gesponserten Fahrzeuge nicht, und diese werden meistens nicht mitbezahlt. Für den Hattingener Fiat Van fallen so nach Berechnungen des ADAC allein 150 Euro Fixkosten pro Monat durch Steuern und Versicherung an, dazu kommen 280 Euro für Betriebskosten wie zum Beispiel Benzin und durchschnittlich 120 Euro Reifen- und Werkstattkosten pro Monat. Macht unterm Strich 550 Euro pro Monat – kostenfrei ist etwas anderes.

6 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. #1

    Sehr gute Recherche…..
    verstehe aber nicht, weshalb in so einer dubiosen Werbefirma ein Möchtegern CDU Landtagsabgeordneter (Stefan Pohl ) als Prokurist beschäftigt ist. Brauchen die den etwa, um ihre dubiosen Geschäfte zu verbergen !!
    auch weiss ich noch von ganz anderen Machenschaften
    in und ausserhalb dieser Firma.

    mit freundlichen grüssen.

    Günther Vollant am 8. September 2011 um 09:37
  2. #2

    Die Firma Pro Humanis arbeitet eng mit dem Institut für Stadtmarketing Collenberg GmbH in 52146 Würselen in der Carlo Schmid Str.19 zusammen. Der Geschäftsführer Herr Collenberg selbst arbeitet überwiegend in Bingen und ist bei Pro Humanis angestellt. Außerdem arbeiten die obengenannten Werbefirmen eng mit der ABE Wolf Software Gmbh mit Sitz in München zusammen.

    Jean Marie Robertson am 11. Oktober 2012 um 15:11
  3. #3

    Der Beitrag ist zwar schon älter, aber ich habe noch nie so einen Blödsinn gelesen. Das die Firma, welche sich um die Abwicklung und Organisation kümmert Geld verdienen muß ist doch normal.
    Aber ich gehe mal davon aus, das die Verfasser und Kommentierer dieses Artikels ehrenamtlich schaffen.
    Das nächste mal etwas genauer recherchieren !
    Das die Sponsoren teilweise in bis zu zehn Monatsraten bezahlen, die Fahrzeuge aber schon auf der Strasse sind, davon spricht keiner.
    Wer erstellt die Grafik und beschriftet die Autos, natürlich alles Ehrenamtliche :-).
    Freundliche Grüsse Rainer Vogt

    Vogt Rainer am 25. Dezember 2012 um 11:21
  4. #4

    Hallo Leute,
    ich habe bei dieser Firma gearbeitet und kann nur sagen tut euch das nicht an. Diese Firma ist alles andere als Human. Herr Vogt der den Beitrag eingestellt hat und die Firma schön redet arbeitet wohl in der oberen Etage bei denen. Gelverdienen muss und soll jeder, aber nicht auf diese weise wie das die Firma macht. Herr Pohl ist übrigens nicht mehr bei der Firma :-))

    werner am 10. Mai 2013 um 18:26
  5. #5

    Wir haben dieser Firma für Werbung auf einem Auto der Stadt Dreieich, welches bis heute nicht auf der Straße ist, 1500 € gezahlt. Auf Nachfragen, weshalb hier noch nichts passiert ist, erhalten wir weder auf Telefonanrufe noch auf emails Antwort. Die Zahlung ist bereits 5 Monate her, weshalb man hier von ausreichend Zeit, den Auftrag auszuführen, ausgehen kann.
    Keinesfalls zu empfehlen!

    Engel Elektromobile GmbH am 6. August 2013 um 10:07
  6. #6

    die Firma zieht regelrecht Leute über den Tisch, kassiert und keine Leistung reagiert weder auf Telefonanrufe, es nie jemand zuständig oder keiner geht ran, noch auf Briefe oder Faxbenachrichtigungen
    man kann nur warnen echte Sauerei

    Fischer am 6. November 2013 um 11:24

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