Wer sind die NSU-Unterstützer?

15. November 2011 von | 4 Kommentare

Die Bekenner-DVD der Neonazi-Terroristen kommt bizarr freundlich daher. Titel: "Frühling"

Die Bekenner-DVD der Neonazi-Terroristen kommt bizarr freundlich daher. Titel: "Frühling"

Die Terrorgruppe “Nationalsozialistscher Untergrund” beunruhigt die Republik. Und der Kreis der möglichen Unterstützer scheint ständig zu wachsen. So liegen der WAZ Informationen vor, wonach sich bekannte Mitglieder des NSU in den vergangenen Jahren mit den beiden NPD-Größen aus Thüringen, Andre K. und Ralf W., getroffen haben. Auch mit dem damaligen NPD-Bundesvorstand, Thorsten H., soll es zumindest ein Treffen gegeben haben. Thorsten H. war für die Verbindung der NPD zu den gewaltbereiten “Freien Kameradschaften” zuständig.

Die drei Männer sollen gemeinsam mit NSU-Terroristen “Kameradschaftsabende” der rechtsradikalen NPD besucht haben. In einem Fall sollen die drei Männer sogar mit dem NSU-Terroristen Uwe Mundlos in einem Auto von der Polizei gestoppt worden sein, heißt es in Thüringer Sicherheitskreisen. Allerdings habe die Polizei alle Männer wieder laufen lassen. Thorsten H. selbst wurde in der Vergangenheit sogar schon wegen illegalen Waffenbesitzes belangt. 2007 fand die Polizei bei einer Razzia in seiner Wohnung in Fretterode/Thüringen eine israelische Maschinenpistole der Marke Uzi, eine halbautomatische Pistole sowie Patronen.

Auch ein weiterer konkreter Unterstützer der NSU soll bereits enttarnt sein, berichtet der MDR. So habe ein 34-Jähriger die Wohnung in Zwickau angemietet, in der die NSU-Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe zuletzt wohnten. Zudem sei der Mann aus dem sächsischen Johanngeorgenstadt auch Mieter der Wohnung gewesen, in der Zschäpe zwischen 2001 und 2008 unter falschem Namen gelebt haben soll.

Damit aber nicht genug. Ein ehemaliger V-Mann des NRW-Verfassungschutzes sagte der WAZ, um das Jahr 2004 herum hätten NPD-ler aus Dortmund Kontakte zu Rechtsradikalen in Thüringen aufgebaut. Darunter seien auch Kontakte zu den heute als NSU-Teroristen bekannten “Bombenbastlern” gewesen. Die Informationen des Ex-V-Manns konnten bislang nicht bestätigt werden.

Allerdings berichten unabhängige Quellen tatsächlich von einem regen Austausch zwischen Ost- und West, aus dem sich auch Unterstützer für die NSU-Terroristen hätten rekrutieren lassen. Andrea Röpke ist eine von Deutschlands renommiertesten Autorin über rechtsradikale Umtriebe. Sie sagt, es führten Spuren von der NSU zu anderen Neonazi-Führern, “nicht nur im Osten, auch im Westen.” Sie glaubt: “Da wird noch einiges kommen.”

Die Terroristen der 1998 gegründeten NSU stecken offenkundig hinter einer bundesweiten Serie von Morden an neun türkischen oder griechischen Kleinunternehmern zwischen 2000 bis 2006, die als “Döner-Morde” bekannt wurden. Zudem soll das Trio im April 2007 die Heilbronner Polizistin Michèle Kiesewetter erschossen haben. Möglicherweise ist die Terrorgruppe für weitere Anschläge verantwortlich.

Unterdessen liegt der WAZ eine Bekenner-DVD der Terroristen vor. Anhand der gespeicherten Dateien lässt sich nachvollziehen, dass der Film zu der Mordserie sehr wahrscheinlich schon am 22. Dezember 2007 auf DVD gebrannt wurde. Das besondere daran: Die Döner-Mord-Serie endete am 6. April 2006. Zwei Tage zuvor hatten Unbekannte in der Dortmunder Nordstadt einen Kioskbesitzer erschossen. Die DVD endet mit dem Hinweis, eine zweite DVD sei in Vorbereitung, die sich mit der Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbron beschäftigen soll. Michèle Kiesewetter wurde am 25. April 2007 ermordet. Acht Monate vor Fertigstellung der DVD.

Seither sind fast vier Jahre vergangen. Eine weitere DVD ist bislang nicht aufgetaucht. Entweder haben die Terroristen also zwischen 2007 und Ende 2011 ihre Morde eingestellt und ihre Ankündigung, eine zweite DVD zu produzieren, nicht wahr gemacht.

Oder es gibt eine weitere unbekannte Mordserie, die mit der Ermordung von Michèle Kiesewetter begann und die bislang nicht in Zusammenhang mit den Terroristen gebracht wurde.

Die Bekenner-DVD wurde am 6. November 2011 im Briefzentrum Leipzig abgefertigt. Die beiden Terroristen Mundlos und Böhnhardt wurden am 4. November in Eisenach tot aufgefunden. Am gleichen Tag sprengte Beate Zschäpe die gemeinsame Wohnung in Zwickau die Luft. Die Terroristin stellte sich am 8. November den Behörden. Wo sie sich in den vier Tagen nach dem Tod ihrer Mitverschwörer versteckte und wer sie im Untergrund unterstützte, ist noch unbekannt.

4 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. #1

    [...] Nazis III: Wer sind die NSU-Unterstützer?…WAZ-Recherche [...]

    Der Ruhrpilot | Ruhrbarone am 16. November 2011 um 10:31
  2. #2

    Eine Frage hätte ich :
    Ihnen liegen ja Informationen vor, nach denen das Trio Kontakt zur NPD-Spitze gehabt haben sollen.
    Wer ist denn diese Quelle ?

    Majungatolus am 17. November 2011 um 02:05
  3. #3

    Keine Antwort ist auch eine Antwort.
    Vielen Dank

    Majungatolus am 17. November 2011 um 17:54
  4. #4

    Hallo Majungatolus. Wenn mein Kollege die Quelle hätte nennen können, ohne diese zu gefährden, hätte er das sicherlich schon im Text getan. Wenn Informanten geschützt werden müssen, bleiben diese natürlich anonym. Beste Grüße, Daniel Drepper

    Daniel Drepper am 18. November 2011 um 11:10

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