NSU-Rechtsterroristen: Eine Spur in den Westen

Die Neonazis haben ihre Bekenner-DVD in eine pinke Plastikhülle gesteckt. Sie spielen mit dem Symbol des cleveren Paul Panther, der den Polizisten überlegen ist.
Nach Angaben des Verfassungsschutzes war Carsten S. zusammen mit dem bereits im November inhaftierten Ralf Wohlleben zumindest in den Jahren 1999 und 2000 „maßgebliche Kontaktperson“ der untergetauchten NSU-Mitglieder. Zudem soll Carsten S. die Terroristen mit Geld versorgt und nach einem Unterschlupf gesucht haben.
Nach Informationen des NRW-Verfassungschutzes stieg Carsten S. später angeblich aus der rechten Szene aus. Im August 2003 zog er nach Hürth bei Köln und am 1. Dezember 2003 nach Düsseldorf. Es heißt, in NRW seien keine Aktivitäten von Carsten S. zu verzeichnen gewesen. S. lebt heute im Raum Düsseldorf und geht einer Beratungstätigkeit im sozialen Milieu nach. Gegenüber der WAZ wollte sich Carsten S. nicht über seine Unterstützerrolle für den NSU äußern.
Der erste Anschlag in Nordrhein-Westfalen soll nach Erkenntnissen der Bundesanwaltschaft auf ein deutsch-iranisches Lebensmittelgeschäft im Januar 2001 ausgeführt worden sein. Im Jahr 2004 folgte dann das Nagelbombenattentat auf die Kölner Keupstraße, bei dem 22 Menschen verletzt wurden. In Dortmund töteten die Rechtsterroristen am 4. April 2006 einen Kioskbesitzer. Ein Jahr später endete die Mordserie nach heutigen Erkenntnissen.Im Gespräch mit der WAZ hatten Verfassungsschützer gesagt, für die Vorbereitung der Anschläge in NRW hätten die Terroristen Unterstützer gebraucht, denen sie aus einer gemeinsamen Zeit im ostdeutschen Untergrund vertrauen konnten. Es würde nach einer solchen personellen Verbindung gesucht.
Zur Rolle von Carsten S. wollten sich weder der NRW-Verfassungsschutz noch das Innenministerium äußern. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft wollte sich zu Carsten S. aus Ermittlungstaktischen Gründen nicht äußern.
Die Terroristen schätzten zunächst die Untergrundarbeit von Carsten S. Er galt als „gut und korrekt“. Er war laut Verfassungsschutz zum damaligen Zeitpunkt Thüringens Landesvorsitzender der „Jungen Nationaldemokraten“ – der Jugendorganisation der NPD. Der Verfassungsschutz notierte, Carsten S. habe mindestens einmal – im April 1999 – Spendengelder für das Terrortrio nach Sachsen transferiert. Weiter soll Carsten S. dabei geholfen haben, einen sicheren Unterschlupf für die Terroristen zu suchen.
So sei er in die Gespräche mit dem bundesweit bekannten Neonazi und ehemaligen Funktionär der NPD, Thorsten H., involviert gewesen, der bei der Suche nach einem sicheren Quartier im Ausland helfen sollte. Im September 1999 berichtete Carsten S. allerdings, die Gespräche mit Thorsten H. würden nicht zu einem greifbaren Ergebnis führen und zögen sich hin.
Am 21. September 1999 erkundigte sich S. zudem nach Kontakten zum früheren Rechtsterroristen Manfred R. Dieser sollte mit seinen Auslandsverbindungen einspringen, da die Abgetauchten „unbedingt“ ein neues Versteck benötigten.
Auch zum heute als NSU-Helfer inhaftierten Holger G. hatte Carsten S. Kontakte.
Wie S. unterstützte Holger G. die untergetauchten Mitglieder des NSU. Nach eigener Aussage hat Holger G. etwa eine Waffe an die Flüchtigen ausgehändigt. Später will sich G. allerdings geweigert haben, weitere Kurierdienste für die Neonazis zu übernehmen und mit Waffen zu hantieren. 2004 zog sich Holger G. aus der rechten Szene zurück.
Später notierten die Ermittlungsbehörden allerdings, Holger G. habe aber auch nach seinem angeblichen Ausstieg im Jahr 2004 bis ins vergangene Jahr hinein Kontakt zum NSU gehabt. Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt hätten im deutlich gemacht, dass sie auf seine Arbeit Wert legen würden. Zum Kneifen sei es zu spät. Er könne nicht einfach abhauen. Holger G. versorgte die Terroristen weiter mit Papieren und mit Mietwagen.
Carsten S. soll allerdings der Ausstieg gelungen sein, schreibt der Verfassungsschutz. Im Jahr 2000 kam es angeblich zu einem Zerwürfnis, weil der Rechtsextremist Wohlleben kritisierte, Carsten S. habe mit wenigstens einem Außenstehenden über die Kontakte zu den untergetauchten Terroristen gesprochen. Trotz allem hielt Carsten S. bis mindestens Ende April 2000 Kontakt zu den Abgetauchten. Im zweiten Halbjahr 2000 kündigt er dann aber an, sich nicht mehr an politischen Aktionen beteiligen zu wollen. Er verschwand in den Westen.



[...] das WAZ-Rechercheblog gestern veröffentlichte, hielt der heute in Düsseldorf lebende Carsten S. bis 2000 engen Kontakt [...]
Ehemaliger mutmaßlicher NSU Helfer arbeitet heute bei der AIDS-Hilfe Düsseldorf | Ruhrbarone am 25. Januar 2012 um 17:22“Trotz allem hielt Carsten S. bis mindestens Ende April 2000 Kontakt zu den Abgetauchten.”
Die Bundesanwaltschaft:
Ron am 1. Februar 2012 um 21:10“Der Beschuldigte ist dringend verdächtig, gemeinsam mit dem gesondert verfolgten Ralf W. (vgl. Pressemitteilung Nr. 41 vom 29. November 2011) dem „NSU“ 2001 oder 2002 eine Schusswaffe nebst Munition verschafft zu haben.”