Loveparade: Desaster „vorhersehbar“
Nach Ansicht des britischen Forschers Keith Still hätte es bei ordentlicher Planung keine 21 Toten bei der Loveparade geben müssen. Still sieht unter anderem die Beamten der Stadt Duisburg in der Verantwortung, die untaugliche Planungen zuließen.Ein neues Gutachten bringt die Planer der Loveparade auf Seiten der Stadt Duisburg, der Veranstalter und der Polizei unter Druck. Das 21-Seiten starke Papier des englischen Forschers Keith Still gilt als eines der Schlüsselpapiere der Staatsanwaltschaft, um das Ermittlungsverfahren im Fall Loveparade abzuschließen. Das Gutachten liegt uns vor.
Still forscht und unterrichtet über das Verhalten von Menschenmassen an der Buckinghamshire New University nahe London. Er war für die Sicherheit der Besucher der königlichen Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton verantwortlich und hat ein neues Steuerungskonzept für die Wallfahrt nach Mekka mit mehr als drei Millionen Besuchern am Tag erdacht.
In seinem Gutachten zur Katastrophe der Loveparade kommt Still zum Schluss, dass der Tod von 21 Menschen bei vorausschauender Planung vermeidbar gewesen wäre. Den Genehmigungsunterlagen der Party hätte kein tauglicher Plan zur Steuerung der Massen zu Grunde gelegen. Schon eine „primitive mathematische Analyse“ der Zu- und Abflussbewegungen der Loveparade-Besucher hätte gezeigt, dass die gesamten Planungen „schiefgehen“ mussten.
Rampe nur 10,6 statt der benötigten 29,5 Meter breit
So hätten die Planer sehen müssen, dass nach ihren Unterlagen in der Stoßzeit 145 000 Menschen die Tunnel und die Rampe passieren sollten. Dies hätte eine Mindestbreite des gesamten Eingangsbereiches von 29,5 Metern bedingt. Tatsächlich sei aber die schmalste Stelle auf der Rampe nur 10,6 Meter breit gewesen. Es hätten im besten Fall nur rund 52 000 Menschen den Engpass passieren können.
Weiter schreibt Still, dass die Situation auf der Rampe als zentraler Zugang zum Party-Gelände in der Realität nichts mit den Plänen zu tun gehabt hätte. Hindernisse auf der Rampe hätten den Ort in eine Falle verwandelt. Beispielsweise wäre ein eingestürzter Gullideckel nur notdürftig mit einem Absperrgitter überdeckt worden. Dies sei eine „gefährliche“ Stolperfalle gewesen. Die geplante Absperrung der Polizeiwagen am Rand der Rampe habe die Situation weiter verschärft. Der ohnehin zu schmale Aufgang auf das Festgelände sei wie bei einem Korsett abgeschnürt worden. Still schreibt: „Das Eingangssystem über Tunnel und Rampe war für jeden offensichtlich nicht in der Lage den Zu- und Abfluss der Besucher zu verkraften.“
Mangelhafte Planung und Überwachung
Und Gutachter Still schreibt weiter: „Der Zusammenbruch dieses Systems war vorhersehbar.“ Er sieht die Personen in der Pflicht, die für die Einrichtung, Genehmigung und die Überwachung der Loveparade in Duisburg verantwortlich waren.
Dies waren zunächst die Planer auf Seiten des Veranstalters Lopavent, die für das mangelhafte Sicherheitskonzept verantwortlich zeichneten und die dringend benötigte Lautsprecher trotz Zusage nicht installieren ließen.
Still sieht aber auch die Beamten der Stadt in der Verantwortung, die untaugliche Planungen zuließen, keine eigenen Berechnungen anstellten, mangelhaften Gutachten vertrauten und die Kontrolle der Aufbauten am Eingang der Loveparade vernachlässigten.
Zuletzt richten sich die Vorwürfe an die Polizei, die das falsche Sicherheitskonzept nicht erkannte und im entscheidenden Augenblick ungenügend handelte.
Über die Ermittlungen zur Loveparade hatten wir auch Anfang Februar ausführlich berichtet.
Das Gutachten von Still finden sie hier: Die Katastrophe war vorhersehbar
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Wie



Ich habe immer noch die Worte von unserem Stauforscher Michael Schreckenberg in den Ohren…
So haben wohl alle versagt: Planer, Gutachter, Ausführende (Veranstalter & Polizei), Verwaltung und Politik.
G. Volkmann am 17. Februar 2012 um 13:34Abgesehen von den für alle Beteiligten verheerenden Ergebnissen des Gutachtens kam mir – ein wenig off-topic, doch nicht uninteressant – die Frage, wie teuer dieses Gutachten wohl gewesen sein mag.
Sandia am 18. Februar 2012 um 14:06Nicht vergessen: Schreckenberg war Mitglied des Krisenstabes, den Rabe leiten sollte, der aber gar nicht da war; stattdessen Janssen ab 16 Uhr. Könnte es sein, dass Sch. diesen leitete, derweil Rabe im Lagezentrum war? Könnte zudem sein, dass das Konzept Stau hieß, für das der letzte Teil eng genug sein musste? Sollte Klüpfel wiederum “nachvollziehbare” Zahlen liefern? Könnte zudem sein, dass dort ein BMBF-Projekt in den Feldversuch ging, z.B. Hermes?
Vergeltung am 7. März 2012 um 22:32