Saeed Malekpour – ein Iraner vor dem Tod
Saeed Malekpour programmiert Webseiten in Kanada, ist 36 Jahre alt und wird bald sterben. Iran hat ihn zum Tode verurteilt, weil er angeblich eine Pornoseite ins Netz gestellt hat. Regierungen und Menschenrechts- organisationen kämpfen, damit Malekpour frei gelassen wird.Saeed Malekpour ist im Iran geboren, lebte aber schon länger mit unbeschränkter Aufenthaltserlaubnis in Kanada. In der Nähe von Toronto arbeitete Malekpour als Web-Entwickler. Im Oktober 2008 fliegt er in den Iran, um seinen Vater zu besuchen. Der hat einen Hirntumor, ist todkrank. Doch Malekpour kann sich nicht von ihm verabschieden, die Polizei nimmt ihn fest und schließt ihn ohne Erklärung in das berüchtigte Evin-Gefängnis in Teheran. Vom Tod seines Vaters erfährt Malekpour nicht eher als einen Monat später.
Malekpour wird von der Außenwelt isoliert, darf weder die Familie sprechen, noch mit einem Anwalt. Ein Jahr später präsentiert das iranische Staatsfernsehen ein Video-Geständnis. Der Iran beschuldigt Malekpour, eine Webseite für Pornos betrieben zu haben. Damit habe er den Islam beleidigt und zur weltweiten Verbreitung von Korruption beigetragen. Saeed Malekpour erkennt die windelweichen Vorwürfe an, bekennt sich auf dem Staatsvideo schuldig und ein Gericht in Teheran verhängt die Todesstrafe.
Wenig später schreibt Malekpour einen Brief und zieht sein Geständnis zurück. Große Teile des Geständnisses seien unter physischem und psychischem Druck erpresst worden. „Im Oktober 2008 haben mir die Befrager die Augen verbunden, mich gefesselt und mir gedroht, mich mit einer Wasserflasche zu missbrauchen. Danach blieben meine Augen verbunden, ich selbst gefesselt und sie schlugen mich zusammen: Mit Kabeln, Schlagstöcken und Fäusten. Sie schlugen auch auf Nacken und Kopf“, zitiert die englische Qualitätszeitung Guardian aus Malekpours Brief.
Seine Familie sagte dem Guardian, Saeed hätte lediglich ein Programm zum Hochladen von Fotos geschrieben. Dieses sei dann von einem Pornoseiten-Betreiber ohne sein Wissen missbraucht worden.
Kanada, die USA und Großbritanninen haben das Vorgehen Irans kritisiert, auch Reporter ohne Grenzen, das Committee to Protect Journalists und Amnesty International setzen sich seit längerem für Malekpour ein. Im Juni 2011 verlangte das oberste Gericht eine erneute Prüfung der Todesstrafe. Die ist seit Mitte Januar abgeschlossen: Die Strafe bleibt bestehen.
Seit 40 Monaten sitzt Malekpour mittlerweile hinter Gittern, jetzt tickt seine Todesuhr. Die Menschenrechtsanwältin Maryam Nayeb Yazdi ist mit Malekpours Fall seit Jahren vertraut. Sie sagte dem Guardian vor wenigen Tagen, die Tötung stehe unmittelbar bevor. Und Malekpour selbst wisse bislang nicht einmal davon. „Saeed ist das Bauernopfer in einem politischen Spiel der Revolutionsgarden.“ Die Revolutionsgarden sind eine halb-militärische, ultra-konservative Organisation, die gegen Oppositionelle eingesetzt wird. Ihr politischer Einfluss ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen.
Hohe Strafen für aus westlicher Sicht geringe Vergehen sind im Iran nicht unüblich. Zuletzt hatten viele Medien über Sakineh Mohammad-Aschtiani berichtet, die wegen Ehebruchs zu Tode gesteinigt werden sollte. Zwei Bild-Reporter hatten im vergangenen Jahr versucht, ohne Journalistenvisum mit den Angehörigen der Verurteilten zu sprechen. Iran hielt die beiden Journalisten vier Monate gefangen. Die Todesstrafe von Mohammad Aschtiani ist seit Anfang 2011 in eine zehnjährige Gefängnisstrafe umgewandelt.
Dass diese harten Strafen im Fall von Malekpour nun auch noch auf angebliche Verbrechen im Internet ausgedehnt werden, verschlimmert die Situation. „Iran hat eine weitere Möglichkeit gefunden, seine eigenen Bürger zu exekutieren“, sagte Drewery Dyke von Amnesty International dem Guardian. „Eigentlich hätte man vor den Wahlen im März erwartet, dass die Menschenrechte besser beachtet werden. Dieser Fall zeigt, wie sich Iran gegen den freien Zugang zu Online-Informationen stellt.“
Marina Nemat ist Autorin und wurde vom damaligen Iranischen Regime in den frühen Achtzigern selbst gefoltert. Dem Toronto Star sagte sie: „Seit den Unruhen im Nahen Osten und seit die wirtschaftlichen Sanktionen gegen Iran härter werden, haben Verhaftungen und Tötungen durch das Regime zugenommen.“
Über Malekpour berichteten bislang vor allem englischsprachige Medien. Reporter ohne Grenzen und Amnesty International setzen sich für ihn ein.
Mehr Infos:
AFP-Meldung zur Bestätigung der Todesstrafe
“Es ist an der Zeit, die Revolutionsgarden als Terroristen zu bezeichnen” – Stellungnahme des Kanadischen Parlamentsabgeordneten Irwin Cotler.
Amnesty International mit einigen Hinweisen, wie man Saeed Malekpour unterstützen kann.


