Exxon, Fracking und die Politik: Die Stunde der Lobbyisten
Der Krieg der Gutachten hat begonnen. Internationale Energieunternehmen, an vorderster Front der US-Ölmulti ExxonMobil, wollen in Deutschland mit der Erschließung neuer Erdgasvorkommen Milliarden verdienen. Halb NRW wurde dazu in Claims aufgeteilt, heimlich und unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Betroffen sind alle Teile des Landes, vom Niederrhein über das Ruhrgebiet bis zum Münsterland. Noch ist die Erkundung der Lagerstätten gestoppt. Für die umstrittene Bohrmethode Fracking, mit der das Gas an die Oberfläche geholt werden soll, gibt es weder bundesweit einheitliche Regeln, noch eine umfassende Abschätzung der Risiken für Mensch und Umwelt. Doch jeder Tag, an dem die Erdgassuche ruht, kostet ExxonMobil viel Geld. Es ist die Stunde der Lobbyisten. Wie arbeiten sie?
In TV-Spots
In der deutschen Exxon-Zentrale in Hannover haben sie ihn gefunden: den Mann, der den Kampf um die öffentliche Meinungsführerschaft gewinnen soll. Dieter Sieber, 57, gepflegter Bart, sonore Stimme, soll Menschen die Angst vor dem „Fracking“ nehmen. So heißt die Bohrmethode, bei der ein Gemisch aus Chemikalien, Sand und Wasser in den Boden gepresst wird, um das in Gesteins-Schichten oder Kohleflözen festsitzende Erdgas „herauszubrechen“. Umweltschützer befürchten eine Verseuchung des Erdreichs und des Grundwassers durch Giftstoffe.
Sieber ist der erfahrenste Fracking-Ingenieur bei Exxon. Und seit sein Arbeitgeber fürchtet, dass die Fracking-Kritiker Oberwasser bekommen, hat Sieber einen Zweitjob: Hauptdarsteller der Exxon-Imagekampagne. In 30-sekündigen TV-Werbespots preist er die Sicherheit der Bohrmethode an: „Ich bin genauso an sicherem Trinkwasser interessiert wie jeder andere Bürger auch“, sagt der Ingenieur in die Kamera. Bei YouTube hat der Exxon-Spot einen Proteststurm ausgelöst.
Im Internet
Wie Exxon-Strategen Meinung beeinflussen, zeigt auch ein Beispiel aus dem Internet. Wer via Google Informationen über Fracking und neue Erdgas-Lagerstätten sucht, stößt unter den ersten Suchergebnissen auf die Seite „Europaunkonventionelleserdgas“. Über Risiken der Bohrmethode ist dort nichts zu lesen, ausschließlich geht es um Chancen und Vorzüge dieser Energiequelle. Hinter der PR-Seite steckt Exxon. Das Unternehmen finanziert und unterstützt dieses Portal. Herausgeber der Seite ist die PR-Agentur Fleishman-Hillard, eine der weltgrößten Firmen für Öffentlichkeitsarbeit. Spezialgebiet: Krisenkommunikation.
Die Studie des Expertenkreises
ExxonMobil hat ein Gutachten über die Risiken des Frackings in Auftrag gegeben und finanziert. 38 Wissenschaftler arbeiteten ein Jahr lang an der Studie. Die Ergebnisse des „Neutralen Expertenkreises“ wurden nun in Osnabrück vorgestellt. Die Autoren bekräftigen, „ohne inhaltliche Einflussnahme von ExxonMobil“ gearbeitet zu haben. In die Studie flossen auch Daten und Informationen von Exxon mit ein. Bürgerinitiativen kritisieren das Gutachten als „parteiisch“.
Die Ergebnisse
Ein generelles Fracking-Verbot in Deutschland lehnen die Experten ab. Doch sehen sie in dieser Art der Förderung erhebliche Risiken durch mögliche Bohrunfälle und Freisetzungen von Chemikalien. In Bergbaugebieten und Trinkwasserschutzgebieten sollte grundsätzlich nicht „gefrackt“ werden. Eine grundsätzliche Umweltverträglichkeitsprüfung mit Beteiligung der Öffentlichkeit sei aber nicht nötig. Weil vieles noch ungeklärt sei, schlagen die Experten vor, die Technik in Demonstrations-Projekten zu testen.
Wie geht’s weiter?
In NRW ist die Erdgassuche zurzeit gestoppt. Ein Gutachten, das Umwelt- und Wirtschaftsministerium in Auftrag gegeben haben, soll Risiken und rechtliche Fragen klären. Bis dahin werden keine Bohrungen genehmigt. Beauftragt wurde ein Konsortium der Firmen AHU AG, Brenk Systemplanung (beide Aachen) sowie das Forschungszentrum IWW (Mülheim). Parallel dazu hat Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) ein Gutachten für den Bund vergeben.



Für Geld ist sich der Hr. Sieber auch für nichts zu schade. Die Hauptsache, sein Rubel rollt.
Werner Fehlberg am 30. April 2012 um 12:59Soll er doch in die USA gehen, dem Heimatland des Fracking. Da wird er vielleicht mir offenen Armen aufgenommen. Hier ist er eine Person non grata, zu gut deutsch: unerwünscht! Solche Leute sind hier nicht willkommen.
MfG Werner Fehlberg