Olympia: Die deutsche Sportförderung in Zahlen

24. Juli 2012 von | 4 Kommentare

Wie viel Geld bekommt jeder einzelne Verband? Und wie viel Steuermittel fließen an jeden der 19 deutschen Olympiastützpunkte? Bei unserer Recherche sind auch ein paar Zahlen aufgelaufen, die Innenministerium und Deutscher Olympischer Sportbund nicht so gern veröffentlicht sehen. Über Anfragen nach dem Pressegesetz sind sie jetzt aber öffentlich.

Erstes Beispiel: Die Verteilung der 30 Millionen 204 Tausend 285,22 Euro Steuermittel an die deutschen Olympiastützpunkte. Die Verteilung der Mittel, wie sie uns das Innenministerium übermittelt hat, findet sich hier mit Google FusionTables auf eine Karte gelegt.

Die Förderung ist farblich gekennzeichnet.

- Unter eine Millionen: Blau
- Ein bis zwei Millionen: Grün
- zwei bis vier Millionen: Gelb
- über vier Millionen: Rot

Eingezeichnet sind die Geschäftsstellen der Stützpunkte. Wer auf die Markierungen klickt, bekommt die Förderzahlen der Stützpunkte für die Jahre 2011 und 2012.

In einem Lehrbuch aus dem vergangenen Jahr analysieren Eike Emrich, Christian Pierdzioch und Jens Flatau die Förderung der Olympiastützpunkte (OSP). Die Berechnungen von Emrich & Co sind aus dem Jahr 2002, die Fördersummen haben sich in den vergangenen Jahren aber nicht erheblich verändert, sie sind nur ein wenig angestiegen. Emrich beschreibt, dass die Mittel nach öffentlich nicht bekannten Kriterien vergeben werden, daher entstehen “diskretionäre Handlungsspielräume” – die Vergabe erfolgt also nach dem Ermessen des Partners. Dadurch kann es dazu kommen, dass die Mittel nach persönlichen Interessen vergeben werden.

Die Befunde der Wissenschaftler: Der Anteil der Förderung am Haushalt der einzelnen Stützpunkte schwankt zwischen 39 und 86 Prozent. Die Forscher haben über ein statistisches Modell berechnet, wie teuer für den Staat die Betreuung der Athleten an den Stützpunkten ist. Dafür haben sie die Einheit “Betreuungspunkt” erfunden, deren Erklärung etwas sehr kompliziert ist. Das Ergebnis jedenfalls: Die Kosten pro Betreuungspunkt schwanken an den einzelnen OSP laut Emrich zwischen 373,91 und 5821,66 Euro.

Keine klaren Kriterien
Die Forscher finden den “höchst unterschiedlichen Finanzierungsanteil des BMI sehr auffällig. Klare Kriterien für die Höhe der Zuweisung sind nicht erkennbar.” Wenn die Gutachten des DOSB, der das Innenministerium bei der Vergabe der Förderung berät, stark bindenden Charakter haben, “dann ist letztlich dieser für die Verteilung öffentlicher Finanzmittel verantwortlich.” Und damit auch für die so extrem unterschiedliche Förderung.

Emrich und Co haben bei ihrer Analyse festgestellt, dass es erhebliche Unterschiede zwischen Stützpunkten in Ost- und West gibt. Die Kosten für die Betreuung pro Athlet sind im Osten höher als im Westen. Und auch der Anteil der Steuerzuwendungen am Haushalt liegt im Osten höher (65 zu 55 Prozent). Die Forscher schließen: “Insgesamt kann somit festgehalten werden, dass in den neuen Ländern ein hoher Mittelverbrauch bzw. -bedarf honoriert wird (Matthäuseffekt), in den alten Ländern hingegen Effizienz, was entsprechende Anreizwirkungen mit sich bringen dürfte.”

Mehr Zahlen bei den Kollegen des Stern
Die Kollegen vom Investigativ-Blog des Stern haben sich noch deutlich ausführlicher mit unserem Datenmaterial beschäftigt und auch die Zuwendungen an die Sportverbände aufbereitet.

4 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. #1

    Sehr gute Arbeit, legt diesen unsäglichen Sumpf gerne ein wenig trockener und zeigt diesen selbstgerechten und eitlen Fatzkes, wo der Hammer hängt! Weiterhin viel Erfolg!

    Boris am 25. Juli 2012 um 11:34
  2. #2

    [...] Der Datenjournalismus: Die deutsche Sportförderung in Zahlen [...]

    Daniel Drepper ./. Bundesrepublik Deutschland – 1:0Daniel Drepper | Daniel Drepper am 2. August 2012 um 13:15
  3. #3

    [...] nur das WAZ-Rechercheteam, das sich um Zahlen zu den Themen Medaillenzielvorgaben und Sportförderungen bemüht Zahlenmaterial auf dessen Grundlage dann Datenjournalismus geschehen könnte. Das [...]

    Olympia versus Datenjournalismus | Datenjournalist am 6. August 2012 um 14:53
  4. #4

    [...] nur das WAZ-Rechercheteam, das sich um Zahlen zu den Themen Medaillenzielvorgaben und Sportförderungen bemüht – Zahlenmaterial, auf dessen Grundlage dann Datenjournalismus geschehen könnte. Das [...]

    Olympia versus Datenjournalismus | Datenjournalist am 11. März 2013 um 09:44

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