Steuerbetrug bei WDR-Star Trödelking: Was versteckt der Sender?

18. September 2012 von | 6 Kommentare

Roland Beuge ist der Trödelking - und der einzige, der sich zu seiner Schuld im Steuerskandal um die WDR-Sendung bekennt.

Roland Beuge ist der Trödelking - und der einzige, der sich zu seiner Schuld im Steuerskandal um die WDR-Sendung bekennt.

Verstrickt in den Skandal rund um Steuerhinterziehung beim Trödelking sind der WDR, die Firmen Good Times und Media Uno sowie die Encanto von Bettina Böttinger und die Sony Pictures. Und natürlich der Trödelking selbst. Roland Beuge war pleite, als er für den WDR 2006 entdeckt wurde. Direkt verdiente er als Flohmarktprofi des öffentlich-rechtlichen Rundfunks nur ein schmales Honorar an der Pfändungsfreigrenze. Darüber hinaus überwiesen die diversen WDR-Produktionsfirmen jahrelang Geld in die Schweiz, am Fiskus vorbei. Die Bonner Steuerfahndung ermittelte. Eine Story mit vielen schmutzigen Details.

[Von David Schraven (Recherche) und Daniel Drepper (Zeitleiste)]

Was versteckt der WDR?

Je tiefer man dem Skandal um die WDR-Erfolgssendung „Trödelking“ nachforscht, umso deutlicher wird die dubiose Rolle, die der Staatssender selbst spielt. Der Verdacht drängt sich auf, dass hier irgendetwas im Gebührenrundfunk vertuscht werden soll. Die Frage ist: wer soll hier geschützt werden – aus welchem Grund?

Wir haben den Skandal um den Trödelking jetzt in einer Zeitleiste aufgedröselt – siehe unten:

Geht man die Leiste Schritt für Schritt durch, fallen unter all den Details vor allem zwei Dinge auf:

Der WDR gibt falsche Auskünfte, die ich als Lügen auffasse. So sagt eine Sprecherin, der WDR habe erst im September 2010 von den Finanzproblemen des Trödelkings erfahren. Tatsächlich aber wusste der WDR seit 2007 Bescheid – wie Dokumente beweisen, die wir im Zeitstrahl veröffentlichen. Auf Nachfrage sagte die Sprecherin, was vor September 2010 war, könne nicht mehr nachvollzogen werden. Warum sagt der WDR nicht die Wahrheit?

Dann: Ausgangspunkt des Skandals ist der damalige WDR-Chefentwickler Karl-Heinz Angsten. Dieser hatte die Sendung „Trödelking“ im WDR gefördert, seine Frau hatte die Sendung getarnt über eine Zwischengesellschaft entwickelt und mitproduziert. Die Firma seiner Frau bekam 80 Prozent der Erträge aus dem „Trödelking“. Der WDR schweigt zu der Rolle von Karl-Heinz Angsten bei der Durchsetzung der Serie in den eigenen Reihen. Der Sender hat eine Revision gegen Karl-Heinz Angsten durchgeführt. Das Ergebnis dieser Revision hält der Sender aber unter Verschluss, nicht einmal wann die Untersuchung anfing und wann sie beendet wurde, sagt der WDR. Der Sender schweigt. Warum? Was gibt es im WDR zu verbergen? Wen gilt es zu schützen?

Klar ist nur: nach Abschluss der Untersuchung trennte sich der WDR von der Good Times GmbH. Die Firma unter Leitung der Frau des ehemaligen WDR-Chefentwicklers Karl-Heinz Angsten, produziert seither nicht mehr für den WDR.

In meinen Augen ist die Sache einfach: Wenn an der Sache nichts dran ist, muss der WDR die Frau von Karl-Heinz Angsten entlasten. Dann muss die Good Times wieder für den WDR produzieren dürfen. Wenn hier aber unter Beteiligung der Good Times schmutzig gespielt wurde, muss der WDR öffentlich aufklären, wer die Nutznießer des Spiels waren – auch in den eigenen Reihen. Der WDR lebt von öffentlichem Geld. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, was mit ihrem Geld passiert.

Aber anstatt aufzuklären und den Revisionsbericht auf den Tisch zu legen, verschweigt der WDR die Ergebnisse seiner internen Untersuchung. Stattdessen wird das kleinste Glied der Kette, der Trödelking selbst, abgesprengt. Mit Roland Beuge wird der WDR auf absehbare Zeit keine neue Sendung machen. Warum? Darüber kann man nur spekulieren. Geht es um mehr als die Steuerprobleme des Trödelkings? Soll nicht offen gelegt werden, wer in der WDR-Hierarchie eine Mitschuld an der Affäre trägt und was sich tatsächlich hinter dem Konstrukt rund um Karl-Heinz Angsten verbirgt? Wurde vielleicht sogar Geld gezahlt?

In meinen Augen erleben wir in der Causa Angsten den Versuch des WDR einen Skandal zu vertuschen, damit die Verantwortlichen geschützt werden. Wer hat Angsten warum eingestellt? Wer hat seine Aktivitäten aus welchem Grund gedeckt? Wer hat die Produktion des Trödelking über die Media Uno GbR innerhalb des WDR aus welchem Grund abgesichert – immerhin profitierte die Firma von Angstens Frau anfangs zu 80 Prozent an den Trödelking-Folgen? Wer wusste alles vom Geschäft mit dem Geschmack eines Insider-Deals, den später ausgerechnet Bettina Böttinger mit ihrer Firma Encanto übernahm?

Ich denke, die Sache hat inhaltich einiges mit dem Skandal um die ehemalige NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze zu tun. Nur: der NDR hat die Kiste aufgerollt, aufgeklärt und abgearbeitet. Der WDR übt sich dagegen im vertuschen. Das ist beschämend.

Hier noch unsere Geschichte zum Trödelking (“Trödelking hinterzieht Steuern und keiner will es gemerkt haben”) und unser Interview mit Roland Beuge (“Der Trödelking packt aus”).

Disclaimer:

Ich weiß, wie über Leute im WDR geredet wird, die versuchen, Skandale im Sender aufzuklären. Man wird hinterrücks zum WDR-Hasser deklassiert. Deswegen ein Satz zur Klarstellung. Ich habe nichts gegen den WDR. Ich finde der Sender macht ein tolles Programm. Er ist eine Bereicherung der Fernsehlandschaft. Ich habe auch nichts gegen Gebühren. Aber ich finde, der WDR hat die Pflicht, gerade wegen der hohen Achtung, die er genießt, und der hohen Gebühren, die er kassiert, Skandale in eigenen Reihen restlos öffentlich aufzuklären. Dass Skandale passieren können, ist bei einem so großen Haus ja normal. Es geht um die Art und Weise, wie man mit den Problemen umgeht. Ich habe oft dem WDR Hintergrundgespräche angeboten, um die Positionen offen auszutauschen. Jedes direkte Gespräch wurde abgelehnt.

Wir recherchieren weiter:

Sie erreichen uns unter: d.schraven (at) waz.de. Oder Sie schicken uns eine anonyme Nachricht über unsere verschlüsselte Upload-Plattform

6 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. #1

    “Das Amtsgericht Bonn erläßt (sic!)Haftbefehl gegen Beuge, wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung.”

    Diese Behauptung ist unwahr. Untersuchungshaft wird nur wegen Flucht-, Verdunkelungs- oder –Wiederholungsgefahr angeordnet, in diesem Fall wohl Verdunkelungsgefahr. Eine Verhaftung wegen einer Straftat schon vor einer Verurteilung ist in einem Rechtsstaat nicht möglich. Ich finde es immer wieder erschreckend, wie wenig Ahnung Journalisten doch von unserem Rechtssystem haben.

    Ansonsten mal ein Danke für diese faszinierende Geschichte. Wenn hier alle drei Produktionsunternehmen so bedenkenlos bei Steuerhinterziehung und Gläubigertäuschung mitmachen, ist das wohl nur die Spitze des Eisbergs.

    Klaus am 18. September 2012 um 17:25
  2. #2

    Lieber Klaus,

    leider hast Du Unrecht.

    Hier der Link zum Foto von der ersten Seite des Haftbefehl.

    http://www.derwesten-recherche.org/wp-content/uploads/2012/09/Haftbefehl.jpg

    Nur soviel zum Thema Ahnung.

    David Schraven am 18. September 2012 um 22:32
  3. #3

    Ich habe nicht bestritten, dass ein Haftbefehl vorlag. Mir war sein Gefängnisaufenthalt bekannt, deshalb schrieb ich auch “in diesem Fall wohl Verdunkelungsgefahr”.

    Falsch in dem Bericht war der Grund für den Knastaufenthalt. In Deutschland ist es üblich, erst zu verurteilen, dann einzusperren. Auch ein Verdacht reicht nicht aus.

    Beuge war nicht wegen Steuerhinterziehung in Untersuchungshaft. Das deutsche Strafrecht sieht ausdrücklich nicht vor, Bürger wegen bestimmter Straftaten in Untersuchungshaft zu stecken. In Untersuchungshaft kann man nur aus den schon drei erwähnten Gründen kommen. Weitere Gründe gibt es nicht. Bei Beuge lag hier vermutlich Verdunkelungsgefahr vor, Wiederholungs- und Fluchtgefahr waren eher nicht gegeben.

    Apropos “Nur soviel zum Thema Ahnung.”: Ignoranz sollte man sich als Journalist abgewöhnen.

    Klaus am 18. September 2012 um 23:01
  4. #4

    Lieber Klaus und Leser,

    es gab einen Haftbefehl ja, allerdings bin ich nicht wie in den Zeitungen geschrieben mit Handschellen abgeführt worden und ich war auch nicht in Untersuchungshaft in einer JVA. Und wenn meine Anwaltskanzlei nicht so arrogant und Mediengeil gewesen wäre und Termine mit der Staatsanwaltschaft herausgezögert hätte, würde hier garnichts stehen. Und meine zu beweisenden Versuche meine Schulden auch an Gläubiger zu zahlen hätten Früchte getragen. Nach einem Gespräch mit dem Staatsanwalt und den Finanzbehörden NRW bin ich nämlich wieder nach Hause gefahren. Ich habe mich seinerzeit in Deutschland abgemeldet und keine Adresse angegeben weil ich nicht dazu verpflichtet war.
    Viel schlimmer finde ich die Zusammenarbeit des Staates und den Produktionsfirmen, da man bis Drehschluss der letzen Folge und Staffel gewartet hatte und genau wußte wo gedreht wurde. Ohne abgedrehte Folge keine Kohle vom Sender.

    Roland Beuge am 19. September 2012 um 01:50
  5. #5

    [...] Medien: Steuerbetrug bei WDR-Star Trödelking – Was versteckt der Sender?…WAZ Recherche [...]

    Der Ruhrpilot | Ruhrbarone am 19. September 2012 um 07:24
  6. #6

    Bitte,Herr Beuge, erklären sie mir doch mal, warum sie bei all dem Schwarzeinkommen, was niemand in den Behörden erkannte, nicht auf die Idee gekommen sind, ihre Schulden zu tilgen?
    Der WDR scheint sehr viel mist gebaut zu haben, sich jetzt aber als “der Benutzte” darzustellen, ist armseleig! Sie haben sehr viel kriminelle Energie aufgewand um sich zu bereichern, anstatt sich reinzuwaschen.

    Fehler kann jeder machen, aber bei einer zweiten Chance, dies nicht zu korrigieren, gehört bestraft! Und nicht dann auf Opfer machen [letzter Halbsatz gelöscht, Beleidingungen sehen wir hier nicht so gerne, Daniel Drepper].

    Kai am 20. September 2012 um 00:29

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