Breaking Stories: Obamas Data-Nerds, Luxus für Journalisten, FDP-Finanzen

12. November 2012 von | Keine Kommentare

Exklusive First-Class-Safari für Journalisten? Kein Problem bei Thyssen. // ninahale auf flickr.com unter CC-BY-SA

#1 Welt am Sonntag: Luxusreisen auf Firmenkosten

Journalisten von FAZ, SZ, Rheinischer Post, Tagesspiegel und NRZ sind mit Thyssen-Vorstand Jürgen Claassen First-Class durch die Welt geflogen, teils mit dem Firmenjet, in teuerste Hotels. Jörg Eigendorf leitet das Investigativ-Team der Welt und hat das in der Welt am Sonntag aufgeschrieben. Ein Sittenbild, unbedingt lesen. Jetzt wird Thyssen-Chef Gerhard Cromme wohl ein Rechtsgutachten in Auftrag geben, das Investigativteam der Welt will dranbleiben.

#2 Time: Die Geheimnisse von Obamas Daten-Nerds

Obama hat mit Hilfe von Daten-Experten eine Milliarde Dollar gesammelt hat und konnte sich schon vor der Wahl so gut wie sicher sein, dass er auch gewinnt. Das Data-Team Obamas war fünf Mal so groß wie 2008, sammelte alle nur denkbaren Daten, analysierte die amerikanische Bevölkerung wie kein Präsident zuvor und fand so nicht nur heraus, wie mögliche Spender möglichst erfolgreich angesprochen werden, sondern auch wie das gesammelte Geld möglichst effektiv investiert werden konnte. Das hat das Time-Magazin aufgeschrieben, dass die Top-Analysten kurz vor der Wahl unter Zusicherung von Anonymität zum Sprechen brachte.

#3 stern: FDP-Stiftung könnte FDP finanziert haben

Stern-Reporter Hans-Martin Tillack berichtete in der aktuellen Ausgabe des stern darüber, dass die FDP über eine Tochterfirma indirekt durch die parteinahe Naumann-Stiftung finanziert worden sein könnte. Die FDP hatte die Fragen von Tillack trotz dessen Widerspruchs schon vor der Veröffentlichung des Textes auf ihre Webseite gestellt. In den Fragen hatte Tillack aber schon Bezug genommen auf Recherchen, die er bis heute nicht veröffentlicht hat. Der stern hat die Veröffentlichung der Fragen deshalb per einstweiliger Verfügung untersagen lassen.

#4 Guardian: Graphic Novel über die Vorgeschichte der US-Wahl

Die Vorgeschichte der Präsidentenwahl der USA hat der Guardian in einer sehr schönen, kurzen Graphic Novel aufbereitet. Die Bedienung ist sehr schön gemacht, der Stil ist toll, die Leser reagieren euphorisch darauf: Fast 15.000 Facebook-Likes und 4000 Tweets haben die User abgesetzt. Inhaltlich geht das Stück nicht besonders in die Tiefe. Das zeigt umso mehr, wie stark neue Erzählformen geschätzt werden.

#5 Guardian II: Das Büro für investigativen Journalismus ist in Gefahr

Seit zweieinhalb Jahren gibt es in London The Bureau for Investigative Journalism. Das Büro ist der berühmten Recherche-Redaktion ProPublica nachempfunden, macht einen guten Job, hat schon zahlreiche Preise gewonnen. Jetzt muss es um sein Überleben kämpfen, Chefredakteur Iain Overton ist heute zurückgetreten. Der Grund: Das Büro hatte eine Story für BBC Newsnight Koproduziert, in der ein britischer Politiker fälschlicherweise des Kindesmissbrauchs bezichtigt wurde. Alle Stories des Guardian zur Newsnight-Affäre gibt’s hier.

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In unserer Rubrik Breaking Stories weisen wir gemeinsam auf gute Geschichten und Recherchen aus anderen Zeitungen und Medien hin. Die Auswahl ist völlig willkürlich und durch nichts objektiv belegt. Wenn Ihr Tipps für Links habt, schickt sie uns zu: recherche (at) waz.de

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