Von der Attrappe zum Albtraum: Der Terroranschlag von Bonn

15. Dezember 2012 von | Keine Kommentare

Die Katastrophe war ganz nah: Im Bonner Hauptbahnhof ist ein Bombenanschlag islamistischer Terroristen fehlgeschlagen. Davon geht Generalbundesanwalt Harald Range aus. Der gefährliche Sprengsatz zündete zwar, detonierte aber nicht – offenbar aufgrund eines handwerklichen Fehlers beim Bombenbau. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe ermittelt, das Bundeskriminalamt (BKA) fahndet nach den Tätern. Sie stehen im Verdacht, Mitglieder einer terroristischen Vereinigung zu sein.

Tätersuche mit Hindernissen – Impressionen einer Woche auf den Spuren des Terrors.

 

Montag, 10.12.2012

DER FUND

Die herrenlose Tasche an Gleis 1.

Die herrenlose Tasche an Gleis 1.

13 Uhr, Hauptbahnhof Bonn: Am Service-Point der Bahn meldet ein Mann, dass eine verdächtige blaue Tasche an Gleis 1 steht. Die Polizei wird alarmiert, Bombenalarm ausgelöst, der Bahnhof gesperrt.

Spezialisten machen die Tasche mit einem Wassergewehr unschädlich. Die Meinungen über den Inhalt gehen auseinander: Die Bonner Polizei spricht zunächst von einer Rohrbombe. Die Bundespolizei erklärt, es habe sich um eine Attrappe gehandelt. Die Kölner Polizei wiederum will sich nicht festlegen. Nur die Experten des Landeskriminalamtes (LKA) könnten eine zuverlässige Einschätzung geben, sagt ein Sprecher.

Am Abend teilt die Kölner Polizei mit: Die Tasche enthielt „potenziell zündfähiges Material“.

 

Dienstag, 11.12.2012

DER VERDACHT

Der Bombenalarm im Bonner Hauptbahnhof steht möglicherweise im Zusammenhang mit einem versuchten Anschlag von Salafisten. Im Zuge einer bundesweiten Fahndung setzte die Polizei gestern Mittag den Deutsch-Somalier Omar D. in Bonn fest. Er ist bei Sicherheitsbehörden als islamistischer Gefährder bekannt. Es werde anhand von Telefondaten überprüft, ob er am Tatort  war. Nach Abdirazak B., einem langjährigen Wegbegleiter von Omar D., wurde  gestern landesweit gesucht. Am Abend kam eine weitere Person in Polizeigewahrsam, die im Zusammenhang mit dem Bombenalarm stehen soll. Nach unbestätigten Meldungen soll es sich dabei aber nicht um Abdirazak B. handeln.

Nach Informationen der WAZ standen B. und D. bereits 2008 unter Anschlagsverdacht. Damals wurden sie auch festgenommen, kamen aber rasch wieder auf freien Fuß.

Phantombild eines gesuchten Verdächtigen

Phantombild eines gesuchten Verdächtigen

Ungeachtet der Festnahmen veröffentlichte die Kölner Polizei am Dienstag das Phantombild eines Tatverdächtigen. Demnach suchen die Behörden nach einem dunkelhäutigen Mann im Alter zwischen 30 und 35 Jahren. Ein 14 Jahre alter Schüler habe den Ermittlern berichtet, dass der Tatverdächtige die Tasche am Gleis abgestellt habe.

Ob es sich bei dem Gesuchten um Abdirazak B. handelt, blieb bis Dienstagabend unklar.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) wollte sich ursprünglich zu dem Fall äußern, sagte sein Statement aber kurzfristig wieder ab. Ungewiss ist, ob die Ermittlungen bei den NRW-Ermittlern bleiben, oder ob die Bundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt den Fall an sich ziehen.

Am Montag war auf einem Bahnsteig im Bonner Hauptbahnhof eine verdächtige blaue Tasche gefunden worden. Ermittler fanden  darin „zündfähiges Material“. Ein gezielter Wasserstrahl machte den möglichen Sprengsatz unschädlich. Das LKA untersucht, ob die Tasche einen „funktionsfähigen Zündmechanismus“  enthielt.

 

Zugriff auf dem Rollfeld: Als dem LKA die Düse ging

Spurensuche auf dem Bahnsteig

Spurensuche auf dem Bahnsteig

Am frühen Morgen des 26. September 2008 verspielte das Landeskriminalamt (LKA) vielleicht die große Chance, zwei gefährliche Islamisten langfristig unter Kontrolle zu behalten. Damals erteilte die Düsseldorfer Behörde der Bundespolizei einen Auftrag: Zugriff auf dem Flughafen Köln-Bonn. In einer Maschine der niederländischen Fluggesellschaft KLM nahmen Beamte daraufhin zwei Terrorverdächtige fest. Es waren möglicherweise die Männer, die am Montag mutmaßlich eine Bombe in einer Tasche im Bonner Hauptbahnhof deponierten. Bestätigt sich dieser Verdacht, dann hätte das LKA ein Problem.

Denn der spektakuläre Einsatz auf dem Rollfeld erwies sich früh als Luftnummer. Der Somalier Abdirazak B. und der in Somalia geborene Deutsche Omar D. kamen schon nach 14 Tagen wieder frei. Die Fahnder hatten schlicht zu wenig in der Hand. Die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelte lediglich wegen einer „Verabredung zu einem Verbrechen“ – bei Terrorverfahren eine Lappalie. Unter einer Haftbeschwerde der Verteidiger brach die dünne Beweisdecke zusammen. „Beinahe hätten wir jetzt die Quittung dafür bekommen“, hieß es gestern hinter vorgehaltenen Händen in Berliner Sicherheitskreisen.

Schon 2008 war das Landeskriminalamt NRW unter Beschuss geraten. Der Behörde sei „offenbar die Düse gegangen“, erinnern sich Terrorexperten heute. Im damaligen Sog der Suche nach dem islamistischen Top-Terroristen Eric Breininger lagen offenbar die Nerven blank. Jedenfalls interpretierten die Düsseldorfer Ermittler private Botschaften zwischen Omar D. und seiner Freundin als „Abschiedsbriefe“. Die LKA-Deutung: Ein Selbstmordattentat sei nicht auszuschließen.  „Eine Überreaktion, unprofessionell und unverhältnismäßig“, kritisieren Sicherheitskreise den Flughafeneinsatz bis heute: „Man hätte die beiden Somalier ruhig düsen lassen sollen.“

Tatsächlich standen Abdirazak B. und Omar D. damals unter ständiger Beobachtung. Geheimdienste und Sicherheitsbehörden hatten die beiden Verdächtigen auf dem Schirm. Sie wollten über Amsterdam nach Entebbe/Uganda fliegen. „Eine kontrollierte Ausreise wäre kein Problem gewesen“, sagt ein Fahnder. Im Gegenteil: Dann hätte man die Wege möglicher Terrorkandidaten gut nachvollziehen können, „vielleicht bis in ein Terrorlager nach Pakistan“. Deshalb sei der „vorschnelle Zugriff“ auf dem Airport Köln-Bonn „kontraproduktiv“ gewesen.

Zumal die Sicherheitsbehörden die Aktivitäten der gebürtigen Somalier in Deutschland aus den Augen verloren. Nur in der Terrordatenbank tauchten sie noch auf: als „islamistische Gefährder“. Und in der Bonner Islamisten-Szene galten sie als bekannte Größen. Seit der bundesweiten Fahndung mag ihr guter Ruf dort gefestigt sein.

Das LKA wollte sich am Dienstag nicht zu den beiden Verdächtigen äußern. Man fungiere lediglich als „Servicebehörde“ für die ermittelnde Polizei in Köln, hieß es. Als solche prüft das LKA noch immer, ob die „Bombe“ im Bonner Hauptbahnhof einen funktionsfähigen Zünder besaß. Am Montag hatte ein sogenanntes „Wassergewehr“ die mit Pulver und Metallteilen bestückte Tasche unschädlich gemacht. Der Wasserdruck zerriss die Tasche. „Jetzt werden alle Puzzleteile wieder zusammengesetzt und untersucht“, sagte ein  Polizeisprecher.

 

Mittwoch, 12.12.2012

DAS VIDEO

Ein Blutbad wäre unvermeidlich gewesen, im und um den Bonner Hauptbahnhof, oder in einem Zug, der die Stadt verlassen hätte – wenn sie hochgegangen wäre, die Bombe. Ob und unter welchen Umständen sie explodiert wäre, das wusste auch am Tag zwei nach Entdeckung der ominösen blauen Tasche auf Gleis 1 noch niemand. Doch langsam wird klar, wie nah die Katastrophe war.

„Eine beachtliche Sprengkraft“, „große Splitterwirkung“ und „ein sehr gefährlicher Feuerball“ hätten „erheblichen Schaden für Menschen“ verursacht. Der Leitende Kölner Polizeidirektor Norbert Wagner schilderte gestern, was passiert wäre, wenn. In der Tasche habe das Potenzial für ein Schreckensszenario gesteckt: vier Butangaskartuschen, ein Metallrohr mit Ammoniumnitrat, drei Batterien und ein Wecker – „kein dummer Jungenstreich“, eine Bombe, das Werk von Profis. Warum sie nicht detonierte, wissen die LKA-Experten frühestens Donnerstag.

Bis Dienstag wurde der Öffentlichkeit das Phantombild eines Dunkelhäutigen als mögliches Gesicht des Terrors präsentiert. Es zeigt einen Mann, von dem selbst Ermittler sagen: „Den finden wir in jeder Fußgängerzone.“ Seit Dienstagabend gibt es bewegte Bilder von einem neuen Hauptverdächtigen.

Bilder vom Bombenleger

Bilder vom Bombenleger bei McDonald's

Ein Video zeigt, wie eine hellhäutige Person die McDonald’s-Filiale gleich neben Gleis 1 betritt und wieder verlässt. Die Aufnahme, körnig und unscharf,  ist die „ganz heiße Spur“, der die Ermittler jetzt folgen. Die Person – eher Mann  als Frau – trägt eine helle Jacke, dunkle Hose, Mütze, Schal. Und „nach derzeitigem Stand der Ermittlungen die Tasche mit dem Sprengsatz“, da ist sich Wagner „sehr sicher“ – obwohl er weiß, dass die  Tasche aus dem Video farblich anders erscheint als die vom Bahngleis. Die wirkt bübchenblau, die in der Hand des McDonald’s-Besuchers eher königsblau. Trotzdem sagt die Polizei: „Wir können uns vorstellen, dass diese Person die Tasche im Bahnhof abgestellt hat.“

Wenn die Zeiteinblendung auf dem Video stimmt, kam die unbekannte  Person um 12.40 Uhr und ging um 12.49 Uhr. Was in den neun Minuten hinter dem Pfeiler der Fastfood-Bude geschah, hinter dem sie verschwand, ob die Person dort gegessen, jemanden getroffen oder die Bombe scharf gestellt hat, das sind einige der großen offenen Fragen.

Es gibt auch kleinere ungeklärte Sachverhalte von enormer  Bedeutung. Einer betrifft den Dunkelhäutigen auf dem Phantombild. Er habe ihnen die Tasche „vor die Füße geschoben“, sagen der 13- und der 14-jährige Junge, auf deren Aussagen sich die Polizei stützt. Dann sei der Mann weggelaufen. Ist das die Wahrheit? Die Ermittler glauben es. „Die Jungen sagen uns das, was sich dort ereignet hat.“

Und was ist der Farbige auf dem Phantombild: Täter? Mittäter? Zeuge? Alles denkbar, letzteres sei er ganz sicher, sagen die Ermittler.

Wahrscheinlich sehr klein, aber ungeheuer wichtig, ist der Zünder, von dem nach wie vor jede Spur fehlt. Bei der Suche nach der „Stecknadel im Gleisbett“ fanden die Ermittler bisher nur eine kleine Glühbirne. „Sie könnte aus dem Wecker stammen“, der den Countdown ins Verhängnis hätte einläuten können. „Möglicherweise hat er aber auch eine andere Rolle gespielt.“ Es gibt viel Denkbares, wenig Belastbares.

Das gilt auch für Omar D., den am Dienstagmittag gefassten und nachts wieder aus dem Polizeigewahrsam entlassenen Ex-Verdächtigen. Als islamistischer Gefährder und Terrorverdächtiger war der Somalier 2008 vom Landeskriminalamt (LKA) festgenommen worden. Weil er „eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Phantombild“ habe, zudem „aus dem salafistischen Spektrum kommt“, habe man ihn nun erneut geschnappt, sagte Wagner. Seit er wieder frei ist, sprechen weniger Fahnder von einem salafistischen Hintergrund. Von Abdirazak B., der bisher als möglicher Komplize von Omar D. galt, sprach am Mittwoch niemand mehr.

 

Donnerstag, 13.12.2012

DER DRITTE MANN

Vier Tage nach dem Fund eines gefährlichen Sprengsatzes im Bonner Hauptbahnhof sucht die Polizei nun einen dritten Mann – als „wichtigen Zeugen“, wie es offiziell heißt. Die beiden Hauptverdächtigen sind nach wie vor verschwunden. Unter 60 neuen Hinweisen gebe es keine  heiße Spur. Auch der Zünder des Sprengsatzes werde noch gesucht.

Dschihadisten im Blick: Bundesinnenminister Friedrich (CSU)

Dschihadisten im Blick: Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU)

Neu im Fokus der Fahnder ist ein „ca. 40 Jahre alter Mann europäischen Aussehens“. Am Montag, kurz vor 13 Uhr, soll er die verdächtige Tasche auf Gleis 1 der Mitarbeiterin eines DB-Service-Points in der Bahnhofshalle gemeldet haben. Die Personenbeschreibung: kurze, mittelblonde Haare, blaue Daunenjacke und „eine leichte Sprechstörung“. Ob der Mann auch als Tatverdächtiger infrage kommt, dazu schwiegen die Ermittler gestern.

Mit einem neuen Fahndungsplakat intensivieren sie auch die Suche nach der Person, die am Montag um 12.48 Uhr in der McDonald’s-Filiale nahe Gleis 1 gefilmt wurde – mit der mutmaßlichen Sprengsatz-Tasche in der Hand. Die Polizei legt sich fest: Es ist ein Mann, mit Vollbart. Er trug eine hüftlange helle Jacke mit Kapuze, ein dunkles Oberteil, eine dunkle Hose mit zwei hellen Längsstreifen außen, dunkle Handschuhe, dunkle Schuhe.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) sagte im Zusammenhang mit dem Bonner Fall, Deutschland stehe „im Fadenkreuz des dschihadistischen Terrorismus“. Er habe jedoch derzeit keine Hinweise „auf die Gefährdung konkreter Ziele“. Am Dienstag waren zwei Personen aus der islamistischen Szene in Gewahrsam genommen, dann aber wieder entlassen worden. Ein Tatverdacht hatte sich nicht erhärtet.

 

Freitag, 14.12.2012

DER SCHOCK

Bonn ist um Haaresbreite einer Katastrophe entgangen: Offensichtlich islamistische Terroristen haben am Montag auf dem Hauptbahnhof eine Bombe gezündet. Nur ein handwerklicher Fehler verhinderte eine verheerende Detonation. Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen. Das Bundeskriminalamt (BKA) bildet eine Sondereinheit, um den Täter und mögliche Hintermänner zu fassen.

Ein technisches Detail gab den Ausschlag dafür, dass der extrem gefährliche Sprengsatz auf Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs nicht hochging. Der oder die Täter zündeten die Bombe zwar, doch der Mechanismus löste nicht aus. Das mit zündfähigem Ammoniumnitrat gefüllte und mit vier Druckgaspatronen umwickelte Metallrohr hätte laut Ermittlern ein Blutbad anrichten können. „Weswegen der Sprengsatz nicht detonierte“, untersucht nun das BKA.

Generalbundesanwalt Harald Range

Generalbundesanwalt Harald Range

Generalbundesanwalt Harald Range hat „zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für einen versuchten Sprengstoffanschlag einer terroristischen Vereinigung radikal-islamistischer Prägung“. Die Fahndung konzentriert sich zunächst auf einen Hauptverdächtigen: jene Person, die eine blaue Reisetasche durch die McDonald’s-Filiale am Bonner Hauptbahnhof trug.

Offenbar ist der Mann bekannt. Die Bundesanwaltschaft hat „belastbare Hinweise dafür“, dass er „Verbindungen in radikal-islamistische Kreise hat“. Über seine Identität herrschte am Freitag Stillschweigen.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vermutet „einen dschihadistischen Hintergrund“ des Terroranschlags. Unbestätigt blieben Spekulationen über eine mögliche Verwicklung des Terrornetzwerks El-Kaida in den Fall.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) verortet die Täter „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ in der islamistischen Szene. Er würdigte Qualität und Tempo der Ermittlungen durch die ihm unterstellten Behörden in NRW – und geriet dafür noch am Freitagabend in die Kritik.

 

Jäger lobt Behörden – Ermittler erbost über Pannen

Dabei wollte Jäger nur Komplimente verteilen. „Das schnelle Ergebnis der mit Hochdruck vorangetriebenen Ermittlungen zeigte das entschlossene Vorgehen der Sicherheitsbehörden gegen gefährliche Extremisten“, sagte der Minister am Freitagnachmittag, als NRW den Bonner Terrorfall gerade los war. Es war ein Loblied auf seine Behörden. Bei denen fand die Hymne auch ein Echo, aber kein durchweg positives. Im Gegenteil: Ein hochrangiger Beamter  wähnte sich angesichts dieser Auslegung „im falschen Film“.

Zerfetzte Sprengsatz-Tasche nach Wasserbeschuss

Zerfetzte Sprengsatz-Tasche nach Wasserbeschuss

Das Grummeln im Ermittlerkreis hatte Mitte der Woche begonnen. Und es wurde lauter, mit jeder Fahndungspanne. Am Donnerstag platzte einigen der Kragen. Der Auslöser: Nach stundenlanger Sitzung legte der Führungsstab ein Fahndungsplakat hin, „das den Namen nicht verdient“, wie Beamte befanden.

So sei die Beschreibung des Hauptverdächtigen als „Europäer“ wenig zielführend – bei  700 Millionen Europäern unterschiedlichsten Aussehens. Dass ein Tatverdächtiger, der die Sprengstofftasche am Montagmittag am Bonner DB-Service-Point meldete, erst Donnerstagabend gesucht wird, sei „ein Armutszeugnis“. Und dass Ermittler neue Sachstände über die Medien erfuhren statt aus dem Stab, sorgte für weiteren Unmut.

Das Bundeskriminalamt (BKA) fahndet nun mit einer Sondereinheit nach dem Mann, der mutmaßlich mit dem Sprengsatz in der Tasche durch die McDonald’s-Filiale am Bonner Hauptbahnhof spazierte. Für die Bundesanwaltschaft „besteht der Anfangsverdacht, dass er als Mitglied einer terroristischen Vereinigung einen Sprengstoffanschlag verüben wollte“. Die Identität des Gesuchten ist offenbar bekannt, wird aber aus ermittlungstaktischen Gründen verschwiegen. Auch die Anzahl möglicher Hintermänner. Eine terroristische Vereinigung muss rechtlich mindestens drei Köpfe zählen.

Die Fehlzündung von Bonn erinnert an die Kölner Kofferbomber von 2006. Auch sie waren an handwerklichen Fehlern gescheitert. Damals lösten Wecker zwar die Zündung aus, doch das Benzin-Gas-Gemisch explodierte nicht.  Zweieinhalb Jahre später verurteilte das Oberlandesgericht Düsseldorf den Libanesen Youssef El Hajdib zu lebenslanger Freiheitsstrafe. Der Mittäter Jihad Hamad war zuvor bereits im Libanon zu zwölf Jahren verurteilt worden.

2005 versagten die Zünder selbst gebauter Bomben in vier Londoner U-Bahn-Zügen. Zwei Wochen zuvor gab es dort bei einer koordinierten Anschlagsserie 52 Tote.

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