Bochums Stadtwerke-Chef Wilmert: “Unser Gehalt ist nicht zu hoch”

15. Januar 2013 von | Keine Kommentare

Bernd Wilmert ist seit gut 20 Jahren Chef der Stadtwerke Bochum. Wilmert glaubt, dass es als Chef städtischer Betriebe hilft, politische Erfahrung zu haben. Und dass Oberbürgermeister zu wenig Geld bekommen. Für Wilmert wäre es in Ordnung, wenn er sein Honorar aus den Aufsichtsräten von Gelsenwasser und STEAG in Zukunft an die öffentliche Hand abführen müsste.

[Unseren Haupttext zu den Einkünften der Stadtwerke-Chefs im Ruhrgebiet gibt es hier. Unseren Text zu den üppigen Nebeneinkünften der Bürgermeister aus Sparkassen-Gremien gibt es hier.]

Herr Wilmert, muss man ein Parteibuch haben, um Chef von Stadtwerken im Ruhrgebiet zu werden?

Bernd Wilmert: Nein, das muss man nicht haben. Was man haben muss ist neben Sachverstand ein Gefühl für den Markt in der Energiewirtschaft, aber auch ein Gefühl dafür, wie die Gesellschafter ticken. Sie haben es in der Regel mit kommunalen Gesellschaftern zu tun, zum Beispiel der Stadt Bochum, die andere Vorstellungen von Unternehmensführung haben als anonyme Aktiengesellschaften, die die reine Optimierung von Ergebnis und Aktienkurs im Blick haben. Bei uns geht es auch um Nachhaltigkeit, Bürgernähe und die Bedürfnisse der Stadt.

Wenn man mal in der Politik war, kann man also besser verstehen, worauf es in einem kommunalen Unternehmen ankommt?

Wilmert: Dazu brauchen sie kein Mandat. Aber sie sollten schon ein Gefühl dafür haben, wie Kommunalpolitiker agieren, worauf sie Wert legen.

Immer wieder kommen Personen auf dem Parteiticket an gut bezahlte Posten in städtischen Unternehmen. Kann man so etwas nicht verhindern?

Wilmert: Die erste Frage ist, ob man es verhindern muss. Wenn derjenige oder diejenige hohen Sachverstand haben und einen Blick für unternehmerische Chancen, dann kann es nicht schaden, wenn er oder sie einer demokratischen Partei angehört. Es ist ja nicht schlimm, wenn jemand, der die anderen Voraussetzungen mitbringt, sich auch noch im demokratischen Gemeinwesen engagiert oder für eine Partei Partei ergreift. Wenn diejenigen, die sich engagieren, dafür diskriminert werden, führt das aus meiner Sicht dazu, dass die Politikverdrossenheit steigt.

Dennoch gibt es Leute, die auf dem Parteiticket Karriere machen. Wie kann man da eine Trennlinie ziehen?

Wilmert: Dass Menschen ausschließlich über das Parteiticket an einen Job kommen, mag es in der Vergangenheit in SPD- und CDU-Bereichen gegeben haben. Das führt in der Regel nicht zu optimalen Ergebnissen und ich halte das für falsch. Aber wenn das Profil stimmt und derjenige zusätzlich in einer Partei ist, ist das ja nicht restlos negativ zu sehen. Finden Sie das ganz falsch?

Nicht unbedingt. Wenn derjenige der beste Kandidat ist, muss er nicht ausgeschlossen werden, nur weil er in einer Partei ist, aber…

Wilmert: …Auf der zweiten Führungsebene gibt es das bei uns überhaupt nicht mehr. Die Kandidaten, die ich auswähle, werden in der Regel über einen Personalberater ausgewählt. Da versuchen wir die besten zu kriegen für das Geld, das wir bieten.

In den Bundesministerien für Wirtschaft, Umwelt und Justiz werden derzeit laut Spiegel Parteifreunde mit guten Posten versorgt. Das passiert hier nicht?

Wilmert: Nein, kein einziger. Das können sie mir glauben. Das können wir uns vom Markt her überhaupt nicht erlauben. Wir müssen doch performen, wir haben zig Wettbewerber. Wir müssen sehen, dass wir unsere Kunden zusammenhalten.

Die Chefs städtischer Gesellschaften verdienen sehr gut. Seit einigen Jahren gibt es das Transparenzgesetz NRW, nach dem die Gehälter veröffentlicht werden müssen. Sie haben das bisher nicht gemacht. Warum nicht?

Wilmert: Weil das Transparenzgesetz zu einem Zeitpunkt rausgekommen ist, zu dem schon unser Geschäftsbericht rausgekommen war. Jetzt ist das Gesetz rechtsgültig und jetzt veröffentlichen wir.

Was hat sie daran gehindert, es auf unsere schriftliche Anfrage hin mitzuteilen. Oder jetzt, im persönlichen Gespräch?

Wilmert: Warum soll ich Ihnen das jetzt sagen? Was finden Sie daran spannend?

Es könnte als Vergleichszahl dienen zu anderen Stadtwerke-Vorsitzenden. Und ich finde es auch interessant im Vergleich zu denjenigen, die Sie einsetzen – den Oberbürgermeistern.

Wilmert: Das ist ein viel komplexeres Thema, als aus der Frage herauszulesen ist. Peer Steinbrück hat sich mit seinem Satz über das Kanzlergehalt in die Nesseln gesetzt. Ich finde, dass er in der Sache Recht hat, aber so wie er es platziert hat, war es suboptimal. Die Frage nach der Höhe des Gehalts gilt aus meiner Sicht für die Spitzen von St ädten gleichermaßen; sowohl für Oberbürgermeister, als auch für Beigeordnete. Meiner Meinung nach müsste man darüber nachdenken, ob diese Gehälter angesichts der enormen Arbeitsbelastung angemessen sind oder nicht erhöht werden könnten.

Ihr Gehalt wird ja in einem ähnlichen Bereich liegen, wie das der anderen Stadtwerke-Vorsitzenden…

Wilmert: …irgendwo um 300.000 Euro wird mein Gehalt liegen.

Dann ist die Frage, warum Sie zwei Mal – und andere Stadtwerke-Chefs bis zu vier Mal – so viel verdienen, wie der Bürgermeister.

Wilmert: Das kann ich ihnen sagen: Das Kriterium, nach dem wir bezahlt werden, ist der Markt. Die Gehälter sind gestiegen, als wir 1998 in einen Wettbewerb gekommen sind. Damals ist die Verantwortung für die wirtschaftliche Zukunft und die wirtschaftliche Tragfähigkeit von Stadtwerken enorm gestiegen. Sie müssen sich jetzt um Kunden kümmern; sie müssen sehen, wie sie ihre Wertschöpfungskette erweitern, wie sie eine Beteiligungspolitik zustande bringen, wie sie in Kooperationen in einem zunehmend komplexer werdenden Wettbewerb klar kommen. Damit ist die Verantwortung größer geworden. Und seitdem wird entsprechend bezahlt. Im Übrigen: Gemessen an dem, was ein mittelständischer Geschäftsführer verdient, ist unser Gehalt immer noch nicht zu hoch.

Chefs von Stadtwerken im Ruhrgebiet sitzen zusätzlich in den verschiedensten Aufsichtsräten. Das bedeutet zusätzlichen Arbeitsaufwand. Wie können Sie das mit Ihrer Arbeit für die Stadtwerke vereinbaren?

Wilmert: Erstens ist das nicht ungewöhnlich, dass man sich darum kümmert, dass seine Beteiligungen gut laufen. Und das macht man in der Regel, indem man dort im Aufsichtsrat sitzt. Das ist für mich integraler Bestandteil meiner Arbeit. Wir haben zusammen mit der Stadt Dortmund die Gelsenwasser AG erworben. Die Gelsenwasser AG ist für das Ergebnis der Stadtwerke Bochum von enormer Bedeutung. Da finde ich es nicht ganz falsch, dass man sich auch im Aufsichtsrat um die ökonomische Entwicklung von Gelsenwasser kümmert. Das gleiche gilt für die STEAG und das große Stadtwerke-Konsortium Trianel. Wenn ich über die Trianel-Projekte mitberate, sitzen wir meistens in diesen Projekten mit drin. Es ist nicht so, als würde ich da etwas ganz anderes machen.

Hermann Janning ist als Chef der Stadtwerke Duisburg unter anderem deshalb gegangen worden, weil man unglücklich war mit dem Aufwand, den Janning in seinen Aufsichtsratsvorsitz bei der STEAG gesteckt hat.

Wilmert: Das kann ich nicht beurteilen und dazu kann ich mich nicht äußern. Ich versuche meine Auswärtstermine auf ein Minimum herunterzufahren. Schon deswegen, weil man in meinem fortgeschrittenen Alter gar nicht so gerne unterwegs ist.

Für die Aufsichtsratsmandate in Ihren Beteiligungen werden Sie noch einmal gesondert entlohnt. Glauben Sie, dass das so sein muss?

Wilmert: Da will ich die Diskussion dazu abwarten. Sie glauben es mir sowieso nicht, weil ich ja zwei gut bezahlte Aufsichtsratsmandate habe, aber: Ich würde es auch ohne das Geld machen. Von dem Geld, dass ich da bekomme, spende ich eine Menge.

An was?

Wilmert: Das will ich jetzt nicht sagen. Aber es ist nicht so, dass ich das Geld aus den Aufsichtsräten in meinem Haushaltsbudget eingeplant hätte.

Sie haben gerade erwähnt, dass es Diskussionen zu diesen Vergütungen gibt. Wird darüber nachgedacht, die Extra-Zahlungen abzuschaffen?

Wilmert: Wissen sie, was bei DAX-Unternehmen bezahlt wird? Erheblich mehr. Warum soll das bei STEAG und Gelsenwasser anders sein? Aber natürlich kann sich das ändern, vielleicht ergibt sich die Diskussion.

Bürgermeister müssen ihr Aufsichtsratshonorar abgeben, da der Posten zu ihrem Hauptjob zählt. Wenn die von den Stadtwerken entsandten Mitglieder des STEAG-Aufsichtsrates ebenfalls kein Geld bekommen würden – weil ihr Job als Aufsichtsrat ja zu ihrer Aufgabe als Stadtwerke-Chef gehört – dann würden diese 400.000 Euro der öffentlichen Hand zufließen.

Wilmert: Das ist doch mehr als blauäugig. STEAG macht einen Umsatz von drei Milliarden Euro, hat ein Ergebnis von 150 Millionen Euro. Da können sie doch nicht ernsthaft glauben, dass sich durch unseren Verzicht die Gewinnabführung um 300.000 Euro erhöhen würde.

Sie haben gesagt, es gäbe eine Diskussion darüber.

Wilmert: Ich sage ja gar nicht, dass ich auf diesem Geld bestehe. Wenn einige der Meinung sind, dass es anders laufen sollte, dann läuft das von mir aus in Zukunft anders.

Hier geht es zum Haupttext über die Chefs der Stadtwerke im Ruhrgebiet.

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