Buchempfehlung: “Falsche Bilder – Echtes Geld”

9. Januar 2013 von | Keine Kommentare

“Die Geschichte, die wir erzählen, handelt von dubiosen Zwischenfinanzierern in Steuerparadiesen wie Hongkong, den British Virgin Islands und Monaco. Von Bildübergaben im Genfer Zollfreihafen und in den Lobbys von Hotels, von sagenhaften Preissteigerungen, von durch Gier geblendeten Kunstkennern, von korrupten Experten und von Käufen und Verkäufen gegen Schwarzgeld auf anonymisierten Konten.”

Aus der Einleitung

“Falsche Bilder – Echtes Geld” beschreibt die ganze Dimension des Kunstfälschungs-Skandals um Wolfgang Beltracchi. Mehr als 35 Jahre lang verkauften Beltracchi, seine Frau Helene und sein Helfer Otto Schulte-Kellinghaus gefälschte Bilder für Dutzende Millionen Euro. Daran verdienten auch Experten, Zwischenhändler und Auktionshäuser. Schließlich ermittelten verschiedene Privatdetektive und Experten sowie eine auf Kunst und Kultur spezialisierte Abteilung des Berliner Landeskriminalamtes.

Tausende Seiten Beweise trugen die Ermittler zusammen zu Dutzenden Fälschungen, Bankunterlagen aus Andorra, Festplatten. Der Prozess vor dem Landgericht Köln endete trotzdem mit einem Deal, Beltracchi akzeptierte eine sechsjährige Gefängnisstrafe, dafür ging der Prozess nicht ins Detail. Das tun dagegen Stefan Koldehoff und Tobias Timm. Das ist gleichzeitig Stärke und Schwäche des Buches.

Koldehoff ist Redakteur des Deutschlandfunks, Tobias Timm schreibt für das Feuilleton der ZEIT. Beide haben für ihre Medien lange zum Beltracchi-Skandal recherchiert. Ich hatte vorher keine Ahnung von Kunstauktionen, von gefälschten Bildern oder interessengeleiteten Gutachtern und Auktionshäusern. Trotzdem oder gerade deswegen hatte ich Spaß an den schnell zu lesenden 270 Seiten. Das Buch gibt einen starken Einblick in den Kunstmarkt. Es benennt detailliert, wer an den Fälschungen Beltracchis verdient hat und wie einfach sich Experten überzeugen, zum Teil wohl auch korrumpieren ließen. Eine starke Recherche, die im Anhang zusätzliches Material und als Original-Dokument die sogenannte Andorra-Liste mutmaßlich gefälschter Bilder zur Verfügung stellt.

Koldehoff und Timm beschreiben, wie die übertriebene Diskretion und Instransparenz im Kunstmarkt dazu führt, dass es Betrügern seit Jahrzehnten leicht gemacht wird ihre Fälschungen zu verkaufen. Damit streifen sie auch das Thema Schwarzgeld und Geldwäsche. Dazu hätte ich gern mehr erfahren. Zudem merkt man, dass das Buch in Teilen aus ZEIT- und Deutschlandfunk-Geschichten zusammengesetzt wurde. An manchen Stellen fehlt die Stringenz, einige Fälle doppeln sich in den Kapiteln. Die Autoren hätten sich eventuell noch einmal ganz neu hinsetzen müssen, um die Geschichte in für ein Buch geeigneterer Form zu erzählen. Herausragend macht das zum Beispiel Michael Lewis, Meister des amerikanischen Non-Fiction, in Büchern wie “The Big Short”.

Trotzdem lohnt sich das 2012 mit dem dritten Preis der Otto-Brenner-Stiftung ausgezeichnete “Falsche Bilder – Echtes Geld”, eine starke investigative Recherche. Das Buch kostet 19.99 Euro.

Beitrag kommentieren

Hinweis: Diese Tags kannst du im Kommentarfeld benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>