Update: Doktorarbeit des NRW-Staatssekretärs für Medien unter Plagiatsverdacht

8. Januar 2013 von | 14 Kommentare

Update: Professor der Uni Dortmund verteidigt Eumann mit zweifelhaften Argumenten. Siehe ganz unten.

NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann gerät wegen seiner Doktorarbeit in die Kritik. Nach Informationen der WAZ-Mediengruppe überprüft die Technische Universität Dortmund derzeit in einem offiziellen Verfahren, ob der SPD-Politiker bei der Erstellung seiner Doktorarbeit plagiiert hat. Im Extremfall droht ihm die Aberkennung seiner Doktorwürde. Eumann hatte in Dortmund am Institut für Journalistik zum Thema „Deutscher Pressedienst“ promoviert.

In einer Beurteilung der Arbeit durch den renommierten Medienwissenschaftler Arnulf Kutsch kommt dieser zum Urteil, Eumann habe vor allem seine eigene Magisterarbeit aus dem Jahr 1991 aufgepeppt, ohne dies im Text der Doktorarbeit deutlich zu machen oder seine eigene Magisterarbeit zu zitieren. Laut Kutsch habe der Politiker vielen Abschnitten seiner alten Magisterarbeit „ein, zwei oder drei neue einleitende Sätze vorangestellt“, manches zudem umformuliert, neue Literatur eingearbeitet und Passagen aus den Fußnoten in den Haupttext gehievt und so „den Textumfang der Dissertation vergrößert.“

Mangelhafte Quellenarbeit
Kutsch bemängelt weiter, Eumann habe eine weitgehend mangelhafte Quellenarbeit betrieben und seine alte Magisterarbeit weder konzeptionell, noch methodische oder inhaltlich-substanziell erweitert. Seine wissenschaftlich vernichtende Bewertung schließt Kutsch mit den Worten: „Einstweilen mag es lehren, wie angenehm es sich in unserem Fach auf der Grundlage des Textkorpus’ einer Magisterarbeit promovieren lässt, selbst wenn sich über diese eine 20-jährige Patina gelegt hat.“

Der Doktorvater von Eumann an der Universität Dortmund, Horst Pöttker, erklärte auf Nachfrage, er habe auf Basis der Kritik von Kutsch, die “Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis” an der TU Dortmund eingeschaltet, die nun offiziell untersucht, ob es sich bei der Doktorarbeit um ein so genanntes „Selbstplagiat“ handelt. Sollte dieser Fall festgestellt werden, könnte Eumann seinen Titel verlieren. Pöttker sagte der WAZ, er habe nichts vom Inhalt der Magisterarbeit gewusst.

Eumann sagte, seine Promotion stelle „unter vielerlei Gesichtspunkten eine inhaltlich-substantielle Erweiterung“ seiner unveröffentlichten Magisterarbeit dar. Die Überprüfung durch die Unikommission sei auch in „seinem Interesse“. Eumann erhielt seinen Doktortitel im Februar 2011 nachdem er sein Amt als Medienstaatssekretär in der Staatskanzlei im Juni 2010 angenommen hatte.

Doktorvater Pöttker bekam mehr als 210.000 Euro

Foto: Stefan Schwenke

Der Fall ist politisch brisant. Der Doktorvater von Eumann, Horst Pöttker, beantragte wenige Monate nach der Verleihung der akademischen Würden an den Staatssekretär bei der Staatskanzlei NRW die Förderung einer journalistischen Initiative. Diese soll die wissenschaftlichen Vorarbeiten für das wichtigste Projekt von Medienstaatssekretär Eumann erledigen, die Gründung einer neuen Medienstiftung in NRW. Pöttker erhielt dafür mehr als 210.000 Euro. (Anmerkung: Prof. Pöttker hat sich gerade schriftlich gemeldet. Er sagt, es ist ihm wichtig, dass nicht er persönlich das Geld erhielt, sondern sein Lehrstuhl. Von dem Geld wird das Projekt bezahlt. Sein Gehalt verändere sich durch die Fördermittel nicht.)

Pöttker sagte der WAZ, die Förderung habe nichts mit der Doktorarbeit von Eumann zu tun. Professor Pöttker sagt weiter, er sage nicht, dass die Doktorarbeit nichts mit seinem Projekt zu tun habe, sondern, dass er nicht wisse, ob die Eumann-Doktorarbeit etwas mit seinem Projekt zu tun habe. Das müsse man die Staatskanzlei fragen.

Staatssekretär Eumann sagte, er habe sich bei Beratungen in der Staatskanzlei über das Projekt seines Doktorvaters für befangen erklärt. Gleichwohl habe er wiederholt mit Pöttker über das geförderte Vorhaben und die neue Medienstiftung in NRW diskutiert.

— Update —

In den folgenden Kommentaren sagt Prof Pätzold, der nach eigenen Worten an der Entstehung der Doktorarbeit von Herrn Eumann beteiligt war, dass man nicht Dieb seiner eigenen Arbeit sein könne. Dazu folgendes:

Sehr geehrter Herr Prof Pätzold,

Zum Plagiatsbegriff der bei der TU Dortmund angewendet wird, darf ich aus dem Merkblatt Plagiate zitieren, das die

KOMMISSION ZUR SICHERSTELLUNG GUTER WISSENSCHAFTLICHER PRAXIS DER TU DORTMUND

hier: klack

veröffentlicht hat.

Unter Punkt 2. wird der Plagiatsbegriff definiert:

>>Die nachfolgende Zusammenstellung orientiert sich am Merkblatt der ETH Zürich für Studierende zum Thema Plagiate. ”Unter einem Plagiat ist die ganze oder teil- weise Übernahme eines fremden Werks ohne Angabe der Quelle und des Urhebers zu verstehen“. Man unterscheidet nachfolgende Typen des Plagiats, die für Arbeiten im Bereich der Forschung und Lehre einer Universität relevant sind:

(…)

>>• Selbstplagiat
Übernahme von eigenen umfangreichen Texten ohne Kennzeichnung, die bereits in anderen Examensarbeiten bzw. Publikationen verwendet wurden.

(…)

Auch die Folgen eines Selbstplagiats werden in dem zitierten Merkblatt beschrieben:

>>Die Übernahme von Texten und Ideen ohne Quellenangabe verletzt das Urheberrecht und kann neben Auswirkungen im akademischen Bereich (negative Leistungsbewertung, Abererkennung eines erworbenen akademischen Grades) auch weitere juristische Folgen (Schadenersatzansprüche, Strafverfahren) haben.

Das nur zu Ihrer Information, wenn Sie schreiben, man könne kein Dieb seiner selbst sein.

Man kann.

Und das wird an Ihrer Uni eigentlich nicht toleriert.

Es kommt hier darauf an, ob Herr Eumann in seiner Doktorarbeit die Passagen aus seiner Magisterarbeit ordentlich zitiert und gekennzeichnet hat.

Oder etwa nicht?

14 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. #1

    Ein Selbstplagiat? ?? Endlich mal was Neues. Und dann ein Haufen Geld für den Doktorvater, aber das hat ja nichts mit der Promotion zu tun. Muss jetzt auch Frau Kraft abtreten? Wowereit ist auch schon weg, Steinbrück schießt sich selbst ins Knie, Ogottogott SPD!

    werneralberts am 8. Januar 2013 um 17:20
  2. #2

    Marc Jan Eumann hatte bereits im SPD Spendenskandal gezeigt, was er so alles drauf hat. Als Teil des Kölner Klüngels nahm er 2002 fingierte Spendenquittungen entgegen, um sie anschließend beim Finanzamt einzureichen. Über die Höhe der Spenden wurde lange spekuliert, genau wie über die dafür erbrachten Leistungen, von denen Eumann überzeugt war, dass es sie auch tatsächlich gegeben hätte. Der heutige Staatssekretär hatte Glück, kam mit einer Geldstrafe davon, weil er, wie der Volksmund so schön sagt, einfach auf doof gestellt hat. Die damalige SPD-Bundesschatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeier formulierte es gegenüber dem WDR so: “ein Mandatsträger wie Eumann müsste mehr Verstand haben.”

    10 Jahre später gibt es 210.000 Euro Fördergelder für einen Professor und kurz vorher mit Hilfe eben dieses Professors einen Doktortitel, der renommierte Wissenschaftler zweifeln lässt. Man muss nicht promoviert haben um zu erkennen, dass da die eine Hand die andere Hand waschen könnte. Und auch Eumann, der in naher Zukunft ebenfalls von den Fördergelder profitieren würde, sollte sich kein weiteres mal, wie der Volksmund sagt, doof stellen. Zumindest solange er selber glaubt, so clever zu sein, einen Doktortitel verdient zu haben.

    Johannes Fischer am 9. Januar 2013 um 00:51
  3. #3

    [...] NRW: Medien-Staatssekretär Marc Jan Eumann (SPD) unter Plagiatverdacht…WAZ Rechercheblog [...]

    Der Ruhrpilot | Ruhrbarone am 9. Januar 2013 um 09:27
  4. #4

    Links anne Ruhr (09.01.2013)…

    Mülheim an der Ruhr: Trödelmarkt-Veranstalter prüft nach Alarm im Rhein-Ruhr-Zentrum Erstattung der Standmiete (NRZ.de) – Bochum: Flughafen dreht Warteschleife (Gedanken zur Nacht) – Was der Flughafen Berlin mit dem Neuen Gym…

    Pottblog am 9. Januar 2013 um 13:22
  5. #5

    Soooo,

    normalerweise schreibe ich keine Kommentare aber hier muss es mal sein!

    Vielleicht sollten hier so einige Damen und Herren mal erst den Duden zu Rate ziehen, bevor er oder sie Artikel schreiben oder Kommentare abgeben!
    Im Duden heißt es eindeutig:

    Plagiat: “unrechtmäßige Aneignung von Gedanken, Ideen o. Ä. eines anderen auf künstlerischem oder wissenschaftlichem Gebiet und ihre Veröffentlichung; Diebstahl geistigen Eigentums”

    Also ganz klar die Verwendung von Gedanken, Ideen o.a. EINES ANDEREN!!!!

    WO ist hier der andere?

    Das ist doch nunmehr mehr als lächerlich! Mir kommt das ganze so vor, als wolle sich hier jemand mit einem zu großen Ego unbedingt auf Kosten anderer profiliern! Vielleicht ist der ach so renomierte Medienwissenschaftler ja auch einfach nur nicht genug mit Arbeit ausgelsatet? Oder handelt es sich hierbei um eine Form der Rache, weil er irgendwo übergangen oder abgelehnt wurde?

    Das wäre doch auch mal interessant zu wissen!

    Und wenn hier ein Staatssekretär bereits im Vorfeld eines Antrages auf Förderung selber erklärt es läge ein Interessenskonflikt vor und sich für befangen erklärt, so ist das heutzutage nicht mehr selbstverständlich sondern (leider) schon eine sehr rühmliche und bewundernswerte Vorgehensweise!

    Vielleicht sollte man sich auch mal die ganzen Arbeiten anschauen, bei denen der Herr Medienwissenschaftler als Doktorvater tätig war, oder besser noch seine eigene Doktorarbeit und seine ganzen Veröffentlichungen!
    Wäre wirklich gespannt, wieviel davon seine eigenen Ideen und Gedanken sind und ob diese immer dem Zitiergebot entsprechen!

    So langsam wird das ganze lasst-uns-plagiate-suchen nur noch lächerlich und peinlich!

    ESREICHT! am 9. Januar 2013 um 13:44
  6. #6

    Dieses Mal verrennt sich die Meute
    - Marc Eumann gehört nicht in die Schusslinie -

    Der NRW-Medienstaatssekretär Marc Jan Eumann wird verdächtigt, eine Dissertation im Wesentlichen durch ein Plagiat erstellt zu haben. Er wird jetzt in eine Reihe mit Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan gerückt. Wer des Plagiats überführt werden kann, verliert den Status, Mitglied der scientific community zu sein. Für Politiker bedeutet dieser Verlust in der Regel auch die Verbannung aus den Zirkeln der professionellen Politik. Wegen der schwerwiegenden Folgen müssen Plagiatsvorwürfe in der Methode und im Ergebnis eindeutig sein. Die Steilvorlage für den Plagiatsvorwurf hat Arnulf Kutsch geschrieben, Medienhistoriker und Universitätsprofessor. Wer die journalistische Meute auf die Spur gebracht hat, ist einstweilen noch unbekannt.

    Plagiat ist ein definierbarer Tatbestand. In der römischen Urgeschichte war ein „Plagium“ ein Menschenraub. Entscheidend für Plagiate ist, wie man in der Wikipedia lesen kann, die Übernahme fremden Gedankengutes, fremder wissenschaftlicher Leistungen, ohne diese kenntlich zu machen. Paul Englisch unterstellt im Plagiat die Absicht, mit dem geistigen Diebstahl „Zwangsanleihen nach ihrer Herkunft durch entsprechende Umgestaltung zu verwischen und den Anschein eigenen Schaffens damit beim Leser oder Beschauer zu erwecken.” Fremdes wird also als Eigenes ausgewiesen. Das ist ein Plagiat. Die im Falle Marc Eumann geborene journalistische Wortschöpfung „Selbstplagiat“ ist also im Sinne der Bedeutung des Begriffs Plagiat absurd. Wissenschaftliche oder künstlerische Leistungen zeichnen sich im hohen Maße durch Kontinuitäten im Denken, Texten und Veröffentlichen aus. Sich selber zu „plagiieren“ ist also alltäglich und normal.

    Der Plagiatvorwurf gegen Marc Jan Eumann lautet verkürzt: Er hat in seiner Dissertation unterschlagen, dass er sich über weite Strecken und in relevanten Umfängen seiner eigenen Magisterarbeit bedient, die er ungefähr 20 Jahre vor der Abgabe seiner Dissertation als unveröffentlichte Prüfungsarbeit eingereicht hatte. Thema beider Arbeiten ist der “Der Deutsche Presse-Dienst”. Es geht um die Nachrichtenagentur in der britischen Besatzungszone zwischen 1945 und 1949, die bisher kaum Gegenstand der Wissenschaft gewesen war. In der Dissertation wird u.a. ihr Anteil am Entstehen der Deutschen Presseagentur (dpa) nachgewiesen, was für die deutsche Pressegeschichte ein Erkenntnisgewinn ist.

    An der Entstehung der Dissertation war ich nicht unwesentlich beteiligt. Ich wusste, dass Marc Jan Eumann bereits in der Magisterarbeit über dieses Thema geforscht hatte. Ich wusste, dass er nunmehr die Chance hatte, in britischen Archiven Dokumente im Zusammenhang dieses Themas zu recherchieren, die bis dahin nicht frei gegeben waren. Mir war klar, dass die Zeit auslief, letzte noch lebende Zeitzeugen zu dieser spannenden Nachkriegsgeschichte zu befragen. Ich habe ihn geradezu gedrängt, unter diesen Voraussetzungen mit diesem Thema zu promovieren und eine Lücke in der Geschichtsschreibung zu schließen. Diese Entstehungsgeschichte ist vollständig offen und eindeutig im Vorwort der Dissertation dargestellt worden. Es war für uns Gutachter unstrittig, dass sich Marc Euman seiner Magisterarbeit bedienen konnte, soweit das für eine öffentliche wissenschaftliche Dissertation sinnvoll ist.

    Wer nun meint, Marc Jan Eumann habe seine frühere Magisterarbeit als Dissertation eingereicht, irrt gewaltig. Schon die Durchsicht des Literaturverzeichnisses zeigt, dass erhebliche Teile des „wissenschaftlichen Apparats“ aus Zeiten nach der Magisterarbeit stammen. Wer die Abschnitte der Dissertation liest, wird zu dem Ergebnis kommen müssen, dass der Autor das Thema aus dem Erkenntnisstand der Gegenwart und nicht der Vergangenheit behandelt. Quellenstudien und wesentliche Teile der empirischen Methode sind originäre Ergebnisse aus der Dissertationsphase und konnten nicht aus der Magisterarbeit übernommen werden. Entscheidend bleibt, dass die Dissertation eine Arbeit des Autors Marc Jan Eumann ist, sein Gedankengut und seine Arbeitsergebnisse zu dem Thema zusammenfasst und in der Belegung von Quellen anderer Autoren so sorgfältig ist, wie es dem Standard in der Wissenschaft entspricht. Da man kein Dieb von sich selbst sein kann, läuft der Vorwurf des Plagiats ins Leere.

    Berlin, d. 09.01.2013
    Prof. Dr. Ulrich Pätzold

    Ulrich Pätzold am 9. Januar 2013 um 15:59
  7. #7

    Vorverurteilungen verbieten sich immer. Nur scheint hier ein Wissenschaftler etwas festgestellt haben, das etwas mehr ist als ein böses Gerücht. Warum braucht Eumann überhaupt einen Doktortitel, für den er eigentlich keine Zeit hat? Hat er sich auf eine Professorenstelle vorbereitet, damit er ein zweites Standbein jenseits der Politik hat? Mit einem Ministerposten hat es bei ihm bislang ja nicht geklappt. Ist ja nicht verwerflich. Aber unglaubwürdig ist, dass er sich selbst für “befangen” erklärt haben will. Bei der Höhe der Fördersumme war er zustimmungspflichtig. An Politiker werden hohe Ansprüche in Punkto Glaubwürdigkeit, Moral und Qualifikation gestellt. Warum? Weil sie unser Geld kosten und nicht ihr eigenes.

    stillerBeobachter am 9. Januar 2013 um 16:21
  8. #8

    Also ehrlich. Hier wird ein Fall konstruiert, der keiner ist. Es ist nun wirklich nicht verwerflich, seine eigene Magisterarbeit als Grundlage für die Dissertation zu nehmen und ein durchaus übliches Vorgehen, wenn man ein Thema gewählt hat, zu dem man selbst nunmal über das beste Material verfügt – weil man ja schonmal darüber eine Arbeit geschrieben hat. Und wenn die Magisterarbeit doch unveröffentlicht ist, ist es doch umso erfreulicher, dass wesentliche Teile für die Nachwelt nun öffentlich sind durch Wiederverwendung in der Dissertation. Ich finde nicht, dass Eumann betrogen hat. Sehr schön finde ich die Zitate in den vorherigen Beiträgen zum Thema, was genau ein Plagiat ist.
    Und zu Dir, lieber “stillerBeobachter”, kann ich nur verständnislos fragen: Glaubst Du wirklich, man promoviert nur, um eine Professoren-Laufbahn einzuschlagen? Über solche Kommentare kann ich nur den Kopf schütteln. Hetzjagd auf Politiker mit Doktortitel ist offenbar en vogue – oder ein Tummelplatz für Neider.

    LilliSophie am 9. Januar 2013 um 17:26
  9. #9

    Festzuhalten bleibt doch, dass alle Vorhaltungen gegenüber den bislang in den Fokus genommenen wissenschaftlichen Arbeiten prominenter Politiker sich bewahrheitet haben. Im dem relativ neuen Medium Internet konnten mit aller Akribie und vor aller Augen Zitate abgeglichen werden und so bewiesen werden, dass es noch so etwas gibt, wie die Macht der Fakten. Diese haben die Betroffenen so lange geleugnet, bis nicht mehr die Arbeit selbst das Problem waren – sondern ihre Person selbst. Was wäre daran verwerflich, sofort Fehler zuzugeben anstatt sich lange zu winden? Da ich Menschen kenne, die Jahre ihres Lebens ihrer Doktorarbeit widmen, sind gewisse Ansprüche angebracht. Ich kann keine “Hetzjagd” erkennen – sondern direkte Demokratie, die eben manchmal weh tut. Demokraten tun gut daran, das anzuerkennen. Im übrigen widmet sich z.B. “vroniplag” auch Doktor-Abeiten völlig unprominenter Verfasser. Ich glaube auch nicht, dass es “immer” nur um eine Professorenstelle geht, manchmal geht es schlicht um Eitelkeit.

    stillerBeobachter am 9. Januar 2013 um 21:09
  10. #10

    ob nun plagiat oder nicht – pff.
    schön wäre es, den vorgang der fördergelder lesen zu können, dem in grüner tinte steht “ich bin befangen …”

    Skatbruder am 10. Januar 2013 um 18:09
  11. #11

    @Prof. Dr. Ulrich Pätzold

    Vielen Dank, dass Sie das Ergebnis, zu dem der Dortmunder Prüfungsausschuß kommen muss, bereits jetzt schon vorwegnehmen. Leider ist die Tatsache, dass Sie Jan Marc Eumann kennen und ihn zu seiner Doktorarbeit gedrängt haben noch kein Beleg dafür, dass er sauber gearbeitet hat. Ihnen wird also auch nichts anderes übrig bleiben, die Ergebnisse der TU Dortmund abzuwarten. Oder zweifeln Sie an der Glaubwürdigkeit der Dortmunder Universität, weil in den Komplott, den Sie hinter dieser Angelegenheit vermuten, möglicherweise auch Professoren der Prüfungskommission verwickelt sein könnten?

    Sie schreiben:
    “Wer die journalistische Meute auf die Spur gebracht hat, ist einstweilen noch unbekannt.”

    Sie glauben scheinbar an eine Verschwörungstheorie. Obwohl Sie für ihre Behauptung keinerlei Anhaltspunkte haben, unterstellen Sie, dass jemand im Hintergrund die Fäden spinnt. Jetzt mal ehrlich Herr Pätzold: Sind Sie Verschwörungstheoretiker oder Wissenschaftler? Ist ihnen diese Art der Argumentation nicht selber zu doof?

    Ihren Ausführungen ist zu entnehmen, dass Sie sich mit Wikipedia auskennen. Schauen Sie doch einfach mal nach, was Wikipedia zum “Kölner Spendenskandal” schreibt. Geben Sie spaßeshalber dieses Stichwort auch bei Google ein und Sie werden feststellen dass der Wikipediaartikel über Marc Eumann gleich an zweiter Stelle gelistet wird. Natürlich denkt man dabei sofort an Bettina Wulff und das Wörtchen „escort“. Aber im Gegensatz zu Frau Wulff hat Mark Eumann sehr wohl mit den Begriffen zu tun, mit denen er über Google automatisch in Verbindung gebracht wird. Wie finden Sie es eigentlich als renommierter Wissenschafter, wenn Politiker versuchen den Staat und damit den Bürger und Steuerzahler zu prellen?
    Wolfgang Thierse hat die SPD seinerzeit zu einer Strafe von 493.000 DM verdonnert. Das ist kein Pappenstiel, Herr Pätzold, und Eumann war einer der Mitverantwortlichen.

    Übrigens behauptet hier niemand, dass Eumann tatsächlich plagiiert hat, sondern lediglich, dass die Uni Dortmund ein Verfahren zur Überprüfung eingeleitet hat. Das ist ein gewaltiger Unterschied und bis zu einem endgültigen Beweis gilt auch für Eumann die Unschuldsvermutung. Fakt ist allerdings auch, dass man Eumann einen Betrug durchaus zutrauen kann, weil er bereits bei einer anderen Betrügerei die Finger mit im Spiel hatte. Das Misstrauen gegen Eumann hat dieser sich selber zuzuschreiben. Parteispendenskandale sind kein Alleinstellungsmerkmal von CDU und FDP. Die SPD ist in diesem Punkt genauso kriminell,wie andere Parteien. Ähnliches könnte sich auch in Bezug auf erschwindelte Doktortitel bewahrheiten. Ich schreibe ausdrücklich: könnte.

    Da Sie sich in ihrem Kommentar lediglich auf den Plagiatsvorwurf beziehen, liegt die Vermutung nahe, dass Sie die Dimension der Causa Eumann in ihrer Größe und Tragweite noch gar nicht begriffen haben. Es geht hier nicht um die scientific community und irgendwelche Zirkel. Ob Eumann nun einen Doktortitel hat oder nicht, dürfte den meisten Bürgern schnuppe sein. Es geht hier, wie im Kölner Spendenskandal vor 10 Jahren um Geldflüsse, welche die Vermutung schüren, dass sie nicht mit rechten Dingen zugegangen sein könnten. Da ist ein Doktorvater, der für ein Forschungsprojekt 210.000 Euro zur Verfügung gestellt bekommen hat. In zeitlich greifbarer Nähe bekommt ein Politiker von diesem einen Doktortitel verliehen. Dieser Politiker hat zwar bezüglich der Fördergelderbewilligung seine Befangenheit beteuert, aber im Endeffekt ist er der Nutznießer dieses Forschungsprojekt. Sind das alles nur Zufälle?

    Eumanns Doktorvater, Horst Pöttker, hat bereits erklärt, dass er die Magisterarbeit von Eumann, aus der plagiiert worden sein soll, gar nicht kenne, was ich persönlich sehr verwunderlich finde, denn Eumann soll in seinem Vorwort zu der Doktorarbeit ausdrücklich auf seine Magisterarbeit hingewiesen haben. Wenn sich Herr Pöttker schon nicht für Eumanns Magisterarbeit und damit für eine scheinbar wichtige Quelle der Doktorarbeit interessiert hat, für was hat er sich dann interessiert? Vielleicht für die 210.000 Euro, oder zumindest dafür, diesen Forschungsauftrag zu bekommen?

    Das sind alles nur Spekulationen, aber bislang ist noch nichts dazu beigetragen worden, diese Spekulationen zu entkräften. Ganz im Gegenteil.

    Lassen Sie uns mal weiter über Eumann reden und zwar nicht über seinen Doktortitel sondern seine Funktion als Medien-Staatsekretär. Eumann kontrolliert den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Eumann sitzt im Rundfunkrat des ZDF. Schauen Sie sich mal die derzeitige Berichterstattung in den Medien an, Herr Pätzold. Sehr viele Medien in Deutschland haben mittlerweile über den Plagiatsvorwurf gegen Eumann berichtet. WAZ-Gruppe, WDR, Spiegel, die Springer Presse. Das ZDF ist derzeit noch ausgeprochen zurückhaltend. Bei Guttenberg, Schavan, Koch-Mehrin war das ZDF nicht so zögerlich. Zufall Herr Pätzold?

    Schauen wir mal zurück ins Jahr 2002. Damals saß Eumann im WDR Rundfunkrat und die Berichterstattung des WDR über den SPD Spendenskandal ließ verdammt zu wünschen übrig. Eine Sondersendung zu der Affäre? Fehlanzeige. Für einen ARD Brennpunkt sah der damalige WDR-Chefredakteur Jörg Schönenborn keine Veranlassung. Auch das nur Zufall?

    Natürlich ist nicht erwiesen, dass das ZDF gerade von Eumann oder seiner Clique zurückgepfiffen wird, genauso wie es nicht erwiesen ist, dass Eumann 2002 den WDR zurückgepfiffen hat. Aber schon alleine, dass er es getan haben könnte, macht ihn als Medienkontrolleur unerträglich, weil dieser Umstand die Glaubwürdigkeit an eine unabhängige Politikberichterstattung der öffentlich-rechtlichen Medien in Frage stellt. Der Fall Nikolaus Brender sollte zu denken geben. Und wer glaubt, dass politische Einflussnahme auf die politische Berichterstattung eine Krankheit der CDU sei, weil er als erstes an Roland Koch denkt, der irrt und sollte vielleicht auch einmal anfangen, Marc Jan Eumann etwas intensiver auf die Finger zu schauen.

    Und jetzt kommen wir mal zum großen Medienprojekt, das Eumann plant und zu dem sein Doktorvater Professor Horst Pöttker die Vorarbeit leisten soll. Im Angesicht des Zeitungssterbens fordert Eumann eine Medienstiftung. Klingt erst einmal ganz gut, denn das Aus von FR, FTD und anderen Zeitungen macht nachdenklich und eine Stiftung könnte diesem Zeitungssterben unter Umständen entgegen wirken. Bezahlen müsste das natürlich der Bürger, allerdings würde sowohl die Verteilung der Gelder, als auch die Kontrolle der Verlage durch von der Politik organisierte Gremien vonstatten gehen. So etwas in der Art haben wir bereits beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und die Grenzen dieses Models, werden im Konflikt Nikolaus Brender und Roland Koch sichtbar, lassen sich aber auch bedenkenlos auf Jan Marc Eumann übertragen.

    Zum Schluss lassen Sie uns noch einmal ein wenig an Ihrer Verschwörungstheorie basteln, Herr Pätzold. Wer könnte ein Interesse daran haben Jan Marc Eumann das Handwerk zu legen?
    Die CDU vielleicht? – Die Christdemokraten fordern derzeit eine lückenlose Aufklärung der Geschichte um die Fördergelder. Eine Meldung, die es übrigens auch noch nicht bis in die öffentlichen-rechtlichen Sendeanstalten geschafft hat, zumindest nicht auf deren Internetseiten. Seltsamerweise ist da die Zeitungszunft, die ohne öffentliche Gelder auskommen muss, um ein vielfaches schneller.

    Sind es vielleicht die Jornalisten, die sich da verschworen haben könnten, weil sie unter Umständen Angst haben, der Staat könnte auch den Zeitungen, wie bereits den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten bei Gelegenheit ins Handwerk pfuschen?

    Oder sind es die vielen Internetblogger, die das Thema Staatsjournalismus seit Bekanntwerden der Eumannschen Pläne diskutieren? st es vielleicht eine Mischung aus allem?

    Ihre Verschwörungstheorie, Herr Pätzold, lenkt wunderbar ab. Ich würde sagen, Sie haben das Thema verfehlt.

    hier geht es zum Focus und der Kritik an der WDR Berichterstattung im Zusammenhang mit SPD Spendenaffäre2002: http://www.focus.de/magazin/archiv/wdr-spendenskandal-tabu_aid_206354.html

    hier ein paar Informationen auf Spiegel online zu Eumann und der SPD Parteispendenaffäre: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/koelner-kluengel-spendenaffaere-erreicht-bundes-spd-a-186356.html

    Johannes Fischer am 10. Januar 2013 um 22:52
  12. #12

    Lieber “stillerbeobachter”!

    Mir scheint, auch Sie scheinen hier ein Opfer der von Ihnen verurteilten Vorverurteilungen zu sein, denn schließlich scheren auch Sie hier wieder alle über einen Kamm!
    Aus Ihrem Kommentar ist klar zu erkennen, dass nach Ihrer Meinung die Kombination Politiker und Doktor-Titel natürlich nur auf einem Plagiat beruhen kann.

    Woher wollen Sie denn wissen, dass hier Herr Eumann nicht jahrelang an seiner Doktorarbeit geschrieben hat?

    Vielleicht sollten Sie auch einmal überlegen, wie der ach so renomierte (übrigens interessanterweise nur hier bei WAZ so betitelte) Medienwissenschaftler die Magisterarbeit her hat?

    Hierbei handelt es sich nämlich um eine vertrauliche Prüfungsarbeit, welche nicht veröffentlicht werden darf! Insofern kann man diese auch nicht im Internet mit der Doktorarbeit abgleichen!

    Hinzu kommt auch noch, dass ja wohl UNSTREITIG durch Herrn Eumann bereits im Vorwort seiner Doktorarbeit darauf hingewiesen wird, dass diese auf der Magisterarbeit aufbaut, zumindest aber teilweise Materialien der Magisterarbeit verwendet wurden!

    Wo ist also bitte schön hier ein Plagiat oder gar eine Verschleierung – wie es auch vom Autor dieses Artikels suggeriert wird?

    Offensichtlich war hier bereits zum Zeitpunkt der Abgabe der Doktorarbeit und auch bei der anschließenden Verteidigung und Veröffentlichung alles offengelegt worden.

    Auch Ihr stammtisch-artiger Vorwurf, dass hier der Grund für den Doktortitel nur im “Abgreifen” einer Professorenstelle oder in Eitelkeit bestehen kann ist einfach nur traurig, erbärmlich und lächerlich!

    Woher wollen Sie bitte schön die Motivation kennen? Können Sie Menschen in den Kopf schauen?
    Oder sind auch Sie der Auffassung, dass Doktortitel nur etwas für Wissenschaftler, Ärzte und Naturwissenschaftler sind?

    Während meines Studiums habe ich genug Dozenten MIT Doktortitel erlebt, die einfach nur ungeeignet und eine Farce waren! Und so etwas wurde dann auf die Menschheit losgelassen, um Studenten zu unterrichten!

    Auch wenn Sie es hier so darstellen wollen, von Ihrer heraufbeschworenen “Demokratie” kann ich hier beim besten Willen nichts erkennen!

    Vielmehr stellt sich das hier für mich eher wieder einmal als eine bewusste Rache oder Hetzjagd dar! Offensichtlich war wieder einmal jemand mit seinem Leben oder seiner beruflichen Situation unzufrieden und versucht nun, über derartige Vorwürfe seine berühmten 15 Minuten zu bekommen.

    Nach meinem Dafürhalten sollten eine Menge Leute – egal ob Wissenschaftler die andere in den Dreck ziehen wollen, Kommentatoren, Journalisten und andere – sich mit etwas sinnvollem beschäftigen und nicht kostbare Zeit und Geld darauf verschwenden, jahrzehnte alte Arbeiten zu durchforsten!

    Im Übrigen stellt sich die interessante Frage, wie Herr Kutsch an die vertrauliche Magisterarbeit gekommen ist, wenn sie gar nicht veröffentlicht wurde und zudem auch noch vertraulich ist! Außerdem scheint für mich, dass Herr Kutsch auf die Verbindung zwischen Magisterarbeit und Doktorarbeit nur gekommen ist, weil die Magisterarbeit AUSDRÜCKLICH in der Doktorarbeit erwähnt wird!

    Nach alledem und vor allem nach all diesen Berichten über Plagiate bei dem einen oder anderen frage ich mich wirklich: GIBT ES NICHTS WICHTIGERES? Haben wir keine anderen Probleme, als dass wir uns jetzt schon wieder mit so etwas beschäftigen müssen bzw. dazu durch die Medien gezwungen werden?

    Mir persönlich geht es mittlerweile ehrlich gesagt auf die Nerven und ich denke, wenn jemand seinen Job gut macht, was interessiert es mich dann, ob er oder sie vor Jahrzehnten einmal bei einer Arbeit abgeschrieben hat oder nicht!

    Wahrscheinlich wird eine der nächsten Meldungen sein, dass Politiker XY mal in der zweiten Klasse bei der Mathearbeit beim Tischnachbarn abgeschrieben hat und es wird wieder ein Aufschrei durch die Internetgemeinde gehen, dass so jemand doch unglaubwürdig sei!

    Interessanterweise werden bei diesem Themengebiet immer nur dann solche rufschädigenden und Karrierebedrohenden Meldungen gemacht, wenn es sich um Politiker handelt, nicht aber, wenn es um Wissenschaftler geht, bei denen solche Sachen häufig mit dem gleichen Themengebiet zu tun haben, auf welchem sie heute auch noch tätig sind!

    ESREICHT! am 11. Januar 2013 um 07:56
  13. #13

    [...] von David Schraven nebenan bei der WAZ beruht die Doktorarbeit von Marc-Jan Eumann auf einer aufgeblasenen Version seiner Magisterarbeit, was nach den Regeln, die es für Doktorarbeiten gibt, nicht sein darf. Sein [...]

    Medien: Pöttker, Eumann und die Unabhängigkeit | Ruhrbarone am 11. Januar 2013 um 09:12
  14. #14

    [...] Fußnoten in den Haupttext gehievt und so „den Textumfang der Dissertation vergrößert.“ http://www.derwesten-recherche.org/2…giatsverdacht/ Die Dummheit ist [...]

    Hat die Schavan bei ihrer Dissertation gepfuscht? - Seite 11 am 23. Januar 2013 um 22:07

Beitrag kommentieren

Hinweis: Diese Tags kannst du im Kommentarfeld benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>