Hat der Fußball nicht genug Geld für Blutkontrollen?

23. Januar 2013 von | Keine Kommentare

Im deutschen Fußball gibt es noch immer keine Blutkontrollen. Und der Fußball sträubt sich weiter dagegen, welche einzuführen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute (noch nicht online) über die Verhandlungen der Mannschaftssportarten mit der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA). Angeblich scheitert es am Geld.

[Alle Infos zum Doping im Fußball auf fussballdoping.de]

Anfang Dezember hatten sich Fußballer, Basketballer, Handballer und Eishockey-Spieler mit der NADA in Bonn getroffen. Das Thema: Endlich Blutkontrollen in Mannschaftssportarten. Über das geplante Treffen hatten wir vorab berichtet. Bislang gibt es, wir hatten mehrfach berichtet, keine Blutkontrollen im deutschen Fußball, der DFB hatte es stets abgelehnt zum Vorreiter zu werden. Nach dem Treffen im Dezember halten die Mannschaftssportarten laut SZ “Blutkontrollen im Mannschaftssport für
vorstellbar”, es könnte Bluttests bei den Trainingskontrollen der Spieler aus dem nationalen Testpool geben, also bei den Nationalspielern.

Laut SZ gibt es jedoch ein Problem: Das Geld. Bislang kosten die Kontrollen im Training und Wettkampf den Fußball angeblich 640.000 Euro im Jahr. Die Verbände wollen für Blutkontrollen kein zusätzliches Geld ausgeben. Das ist ein Problem, weil die NADA ohnehin seit Jahre chronisch unterfinanziert ist. Jetzt schlagen die Verbände laut Süddeutscher Zeitung vor, weniger Urinkontrollen zu machen, um die Blutkontrollen zu bezahlen. Dabei wird ein durchschnittlicher Fußballer schon jetzt nur alle drei Jahre kontrolliert.

Bluttests kosten maximal ein Promille des jährlichen Umsatzes
Erstaunlich, dass dem deutschen Fußball ein paar hunderttausend Euro fehlen, um Blutkontrollen zu finanzieren. Die nötige Summe würde ungefähr einem Promille des jährlichen Umsatzes des deutschen Profifußballs entsprechen. In der englischen Premier League und in der italienischen Serie A sind Blutkontrollen längst Alltag.

Bayer Leverkusens Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser hatte sich im November generös dafür eingesetzt, einen Teil der 200 Millionen Euro Mehreinnahmen der TV-Verträge für den Dopingkampf zu verwenden. Als er im Deutschlandfunk auf den Dopingkampf im Fußball angsprochen wurde, bezweifelte er auf einmal, dass genügend Geld für Blutkontrollen im Fußball vorhanden ist.

Ohne Bluttests kann eine ganze Reihe von Dopingmitteln und -methoden nicht nachgewiesen werden, die im mittlerweile hochintensiven Ausdauersport Fußball genutzt werden könnten. Es gibt zahlreiche Indizien, zum Teil sogar Beweise für Blutdoping im Fußball. Darunter der EPO-Skandal um Juventus Turin und die Verbindungen von Eufemiano Fuentes. Der Fußball will offenbar keine Blutkontrollen. So sagte Matthias Sammer, als er noch DFB-Sportdirektor war: “Wenn ich damit die Nation befriedigen kann, machen wir am nächsten Wochenende überall Blutkontrollen. Und sie werden zudem gleichen Ergebnis kommen. Weil das Thema im Fußball keines ist.”

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