Prozess gegen Doping-Arzt Fuentes: Verbindungen zum Fußball

7. Januar 2013 von | Keine Kommentare

In drei Wochen soll der Prozess gegen Eufemiano Fuentes beginnen, am 28. Januar 2013. Seit der der Razzia in der Calle Caídos de la División Azul sind dann mehr als sechseinhalb Jahre vergangen. Zwei Monate hat die Justiz für die Verhandlungen geplant, bis zu 35 Zeugen werden unter Eid aussagen. Fällt dann auch ein Licht auf den spanischen Fußball?

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Angeklagt sind in Madrid Eufemiano Fuentes, seine Frau Yolanda sowie Helfer José Merino Batres; dazu der Trainer Ignacio Labarta, der ehemalige ONCE-Teamchef Manolo Saiz und Ex-Kelme-Manager Vicente Belda. Die spanische Tageszeitung El Pais berichtete schon im September 2012, dass den Angeklagten bis zu zweijährige Gefängnisstrafen drohen. Ihnen soll die Gefährdung der öffentlichen Gesundheit nachgewiesen werden.

Im Zeugenstand sind neben Polizisten vor allem Radsportler: Alberto Contador, Ivan Basso oder Jörg Jaksche. Fußballer sind weder angeklagt, noch im Zeugenstand. Sollte es die Staatsanwaltschaft in Madrid jetzt aber doch noch Ernst meinen, könnte die Sprache auch auf Doping im Fußball kommen. Die Verbindungen sind eng.

Eufemiano Fuentes arbeitete damals mit Walter Viru zusammen, Viru sollte im Sommer 2006 bei der Operacion Puerto eigentlich schon mit verhaftet werden, die spanische Guardia Civil hatte damals aber nicht genug Beamte für den Fall. Viru versorgte mit Fuentes zusammen die Radsportler des Teams Kelme, dessen Ex-Manager jetzt angeklagt ist. Zudem betrieb Viru ein eigenes Doping-Netzwerk, dass die Polizei später bei der Operacion Grial aushob. Im November 2009 durchsuchte die spanische Polizei 15 Arztpraxen, Apotheken und Wohnungen und fand dabei große Mengen an Wachstumshormonen, Epo und anderen Dopingmitteln.

Viru versorgte neben Radsportlern auch Leichtathleten. Und er stand in engem Kontakt mit dem nächsten Dopingarzt, mit Luis Del Moral. In einem Interview mit der französischen Sportzeitschrift L’Equipe beschrieb der als Drittpartei am kommenden Prozess beteiligte Whistleblower Jesus Manzano, dass Del Moral ein guter Freund von Walter Viru gewesen sein soll. Viru habe Del Moral damals sogar gewarnt, wenn Dopingkontrolleure auf dem Weg zum Team US Postal waren, berichtete Manzano. Womit wir zum Fußball kommen.

Verbindungen in den Fußball
Luis Del Moral arbeitete von 1999 bis 2003 als Teamarzt für US Postal. Del Moral hat den Dopingfahndern zufolge weiter Sportler betreut, nachdem er 2003 bei US Postal aufhörte. In Valencia arbeitete er nicht nur an der Universität, sondern auch für ein Beratungsinstitut, dass sich um alles kümmert, was das Sportlerherz begehrt: von Ernährung über Personal Training bis hin zu Sportmedizin. Von dort aus hat Del Moral hat auch für den FC Valencia und den FC Barcelona gearbeitet. Auf der englischen Webseite des Beratungsinstitutes war damals zu lesen, dass Del Moral medizinischer Berater für verschiedene Fußballklubs ist. “Medical Adviser for various football teams, most notably Barcelona CF and Valencia CF” steht dort. Wir hatten im Oktober 2012 bereits darüber berichtet. Heute habe ich die Seite nicht mehr gefunden, damals hatte ich zur Sicherheit einen Screenshot gemacht:

Die Verbindung von Dopingarzt del Moral in den Fußball ist in verschiedenen Medien berichtet worden, auch von Agenturen wie der dapd. Der englische Telegraph hat bei Barcelona und Valencia angefragt, ob Luis Garcia del Moral für die Vereine gearbeitet hat. Barcelona antwortete, der Verein habe die Mitarbeiterdokumente durchgesehen und könne bestätigen, dass del Moral niemals auf der Gehaltsliste des Vereins gestanden habe. Natürlich könne der Verein aber nicht garantieren, dass del Moral nicht vielleicht für kurzfristige Mithilfe oder von einzelnen Spielern engagiert wurde.

Del Morals Barcelona-Verbindung soll laut Telegraph auf das Jahr 2003/2004 zurückgehen. Seitdem habe der Verein seine medizinische Abteilung komplett umgekrempelt, schrieb Barcelona dem Telegraph. Wer damals für die medizinische Versorgung zuständig war, wollte Barcelona jedoch nicht beantworten. Den FC Valencia versuchte der Telegraph telefonisch sowie zwei Mal per Mail zu del Moral zu befragen, der Verein antwortete nicht.

Del Moral arbeitete im Jahr 2005 für Valencia, allerdings scheinbar nur für wenige Monate. In den letzten Wochen sind wir über tennishasasteroidproblem.com nochmal auf zwei Links gestoßen, welche die Verbindungen von Del Moral zu Valencia unterstreichen. Zunächst berichtete El Pais damals über die Arbeit Del Morals für Valencia. Spieler kritisierten im Herbst 2005 das erst seit kurzem verantwortliche, neue Ärzteteam, dem auch Del Moral angehörte. Nur vier Monate später berichtete die spanische Sportzeitung AS über die Ablösung Del Morals Ende 2005.

Fuentes betreute noch 2011 einen Drittligisten
Auch Fuentes betreute Fußballclubs. Darunter laut der französischen Zeitung Le Monde: Real Madrid, der FC Barcelona, Betis Sevilla und der FC Valencia. Barcelona verklagte die Zeitung, deren Sportchef konnte keine Dokumente vorlegen und musste 15000 Euro Strafe zahlen. Vor Gericht schwieg Fuentes. „Ich bin drei Mal mit dem Tod bedroht worden, es wird kein viertes Mal geben“, sagte er damals Le Monde.

Dass Fußballer bei Fuentes Kunde waren, sagen gut informierte Personen auch uns gegenüber. Darunter soll den Quellen zufolge mindestens einer gewesen sein, der später auch in der Bundesliga spielte. Der Name kann nicht geschrieben werden, denn es ist nur ein Verdacht, nicht mit Dokumenten belegt. Ein kleiner Teil der Fuentes-Akten liegt uns vor. Erwähnt sind nur Radsportler. Hat sich die spanische Justiz jemals für die Namen der Fußballer interessiert? Interessiert sie sich heute dafür?

Eufemiano Fuentes lebt heute auf den Kanarischen Inseln. Noch 2011 arbeitete er als Arzt für den Fußball-Drittligisten UD Las Palmas. Angeblich versorgt er weiterhin Sportler mit Dopingmitteln. Fuentes war für uns nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

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