Rechnungshof prüft Spitzensport: Acht Verbände, Ministerium und DOSB

24. Januar 2013 von | Keine Kommentare

Der Bundesrechnungshof prüft in diesen Tagen die Finanzen des deutschen Spitzensports. Die Beamten wollen nach Informationen des Recherche-Ressorts der WAZ wissen, was mit den 132 Millionen Euro passiert, die das Innenministerium pro Jahr in den Sport investiert. Seit langem bemängeln Experten und Politik, dass die Verwendung der Steuergelder wenig transparent ist.

[Von Robert Kempe und Daniel Drepper]

Eine solche Überprüfung durch den Bundesrechnungshof ist nicht alltäglich. Der Rechnungshof ist die oberste Kontrollbehörde des Bundes, er überprüft die ordnungsgemäße Verwendung der Steuergelder. “Wir prüfen in erster Linie das Bundesministerium des Innern (BMI), aber auch alle Bereiche, die von der Förderung des Spitzensports betroffen sind”, bestätigte Rechnungshof-Sprecher Martin Winter am Donnerstagnachmittag auf telefonische Anfrage. Wegen des laufenden Verfahrens wollte Winter nicht sagen, welche Verbände und Institute von der Prüfung betroffen sind.

Mail des Rechnungshofes: Acht Verbände und der DOSB
Dem Recherche-Ressort der WAZ liegt jedoch eine Mail des Bundesrechnungshofs an das Innenministerium vor. Darin steht, wer neben dem BMI noch von der Prüfung betroffen ist. So nehmen die Rechnungsprüfer gleich acht Spitzenverbände genauer unter die Lupe: Den Deutschen Turner Bund, den Ruder Verband, den Hockey- und den Fechter-Bund, den Schwimm-Verband, den Leichtathletik- und den Kanuverband sowie den Bund Deutscher Radfahrer.

Damit nicht genug: Auch die Olympiastützpunkte Bayern und Rheinland müssen ihre Bücher öffnen. Dem Schreiben des Rechnungshofes zufolge sind die Prüfer bei drei staatlich geförderten Forschungsinstituten bereits vor Ort gewesen: dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft, dem Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten FES und dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaften IAT. Auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB), der das Steuergeld an die Sportverbände verteilt, wird vom Bundesrechnungshof geprüft.

Prüfung könnte bis Ende des Jahres dauern
Schon Ende 2011 entschied die unabhängige Kontrollbehörde, sich die Förderung des Spitzensports genauer anzusehen. Die Debatten um die Medaillenvorgaben bei den Londoner Spielen dürften das Vorhaben bestärkt haben. Mit der Prüfung habe man aber erst Anfang Januar 2013 begonnen, sagte Sprecher Martin Winter. “Wann die Prüfung beendet sein wird, kann ich nicht sagen. Das hängt davon ab, was wir für Feststellungen machen.” Die Prüfung könnte sich je nach Verlauf bis zum Ende des Jahres ziehen.

Zielvereinbarungen im Fokus
Das Recherche-Ressort der WAZ hatte im vergangenen Jahr das Bundesministerium des Innern erfolgreich auf die Herausgabe der Medaillenvorgaben für die Olympischen Spiele in London verklagt. Danach hatte sich eine öffentliche Diskussion entwickelt über die Sportförderung von Bundesinnenministerium und DOSB.

Der Rechnungshof will nun die gesamte Haushalts- und Wirtschaftsführung des Spitzensports prüfen. Auch in die Kooperationspapiere mit Olympiastützpunkten sowie FES und IAT will der Rechnungshof Einblick haben. Besonders genau will man wissen, warum welcher Verband wie viel Geld bekommt und ob die Kriterien dafür angemessen sind.

Im Zentrum der Prüfung werden die Zielvereinbarungen stehen. Sowohl die Absprachen für die Olympischen Spiele in London, als auch die neuen Vereinbarungen für die kommenden Spiele in Rio. In den Zielvereinbarungen ist bisher geheim geregelt, wie viel zusätzliches Steuergeld ein Verband erhält und was er dafür leisten muss. Diese oft kritisierte Intransparenz steht jetzt wohl auf dem Prüfstand.

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