Zur “Richtigstellung” von Prof Pöttker in Sachen Eumann-Doktorarbeit

10. Januar 2013 von | 2 Kommentare

In Sachen unserer Berichterstattung zum Plagiatsverdacht bei der Doktorarbeit von NRW-Medienstaatssekretär Marc-Jan Euchmann hat heute sein Doktorvater Professor Horst Pöttker nebenan auf der Internetseite der “INLOK . Initiative Lokaljournalismus in NRW” eine “Richtigstellung” veröffentlicht.

Diese Richtigstellung möchte ich hier gerne auch veröffentlichen und zu einigen Punkten Bemerkungen machen.

Professor Horst Pöttker: Der Artikel enthält mehrere grobe Unrichtigkeiten. Im vorletzten Absatz stimmt mit Ausnahme des Fotos von mir fast nichts:

Professor Horst Pöttker: 1) Das in Rede stehende Projekt „Initiative Lokaljournalismus in Nordrhein-Westfalen“ (INLOK) soll nicht „die wissenschaftlichen Vorarbeiten für das wichtigste Projekt von Medienstaatssekretär Eumann erledigen, die Gründung einer Medienstiftung in NRW“, wie behauptet wird. Das Projekt dient ausschließlich der Weiterbildung von Lokaljournalisten in NRW. Im Herbst 2011, als mein Antrag gestellt und von der Bezirksregierung Arnsberg bewilligt wurde, gab es noch keinen Plan zur Gründung einer Medienstiftung. Dieser ist erst auf dem Medienforum NRW im Juni 2012 durch die Ministerpräsidentin bekanntgegeben worden, als das INLOK-Projekt schon wesentliche Phasen hinter sich hatte.

Bemerkung Schraven:
Laut schriftlicher Auskunft der Staatskanzlei NRW vom 21. Dezember 2012 (siehe Download PDF Staatskanzlei 2 Fragen 5 und 6) sollen die im INLOK-Projekt gewonnen Erkenntnisse für die im Koalitionsvertrag angekündigte Stiftung „Vielfalt und Partizipation“ – Eumann Stiftung – verwendet werden. Ziel des INLOK-Projektes sei es, erste Erfahrungen mit Fördermaßnahmen im Bereich Lokaljournalismus zu sammeln.

Professor Horst Pöttker: 2) Nicht ich habe für das INLOK-Projekt Fördermittel erhalten, wie im Artikel behauptet wird, sondern die TU Dortmund. Die Mittel werden ausschließlich für die Tätigkeit von Mitarbeiter(inne)n und Referent(inn)en sowie Reise- und Sachkosten im Bereich der Weiterbildung von Lokaljournalisten verwendet. Diese Verwendung wird von der TU Dortmund unter Aufsicht der Bezirksregierung Arnsberg abgerechnet. Ich erhalte, wie bei Drittmittelprojekten üblich, für meine verantwortliche Tätigkeit im Projekt kein Honorar, meine Beamtenbesoldung hat sich dadurch nicht geändert, mein gesamtes Einkommen bleibt vom INLOK-Projekt unberührt.

Bemerkung Schraven: Das Projekt wird als Drittmittelprojekt über den Lehrstuhl „Theorie und Praxis des Journalismus“ abgerechnet. Lehrstuhlinhaber ist Prof. Pöttker. Er hat den Förderantrag geschrieben, sein Lehrstuhl hat das Geld bekommen. Lehrstühle werden an Unis in der Regel mit den Professoren identifiziert.
Wie Pöttker das Geld verteilt, ist eine andere Sache.
Die Aussage, Herr Prof Pöttker habe das Geld bekommen, bezieht sich auf den vom ihm formulierten Förderantrag und den Lehrstuhl, der das Geld kriegt und den Prof Pöttker besetzt.
Dass aus diesem Geld natürlich das geförderte Projekt bezahlt wird, versteht sich von selbst. Was denn sonst?

Professor Horst Pöttker: 3) Die von der Bezirksregierung Arnsberg bewilligte und von der Staatskanzlei NRW bereitgestellte Fördersumme beträgt nicht, wie im Artikel behauptet, „über 210.000 €“, sondern weniger als 210.000 €, nämlich ursprünglich (Dezember 2011) exakt 202.400 €, die später von der Bezirksregierung um 27.500 € gekürzt wurden. In den Gesamtkosten des Projekts ist ein Eigenanteil der TU Dortmund (Institut für Journalistik, Lehrstuhl „Theorie und Praxis des Journalismus“) in Höhe von 10.000 € enthalten.

Bemerkung Schraven: Laut schriftlicher Auskunft der Staatskanzlei NRW vom 21. Dezember 2012 (siehe PDF Staatskanzlei 2 Frage 2) beläuft sich die Förderung auf insgesamt 218.246 Euro.

Professor Horst Pöttker: 4) Ich habe der WAZ nicht mitgeteilt, „die Förderung habe nichts mit der Doktorarbeit von Eumann zu tun“, sondern auf Anfrage geschrieben: „Eine Verbindung zwischen Eumanns Promotion und dem INLOK-Projekt ist mir nicht bekannt. Das Projekt wird von Seiten der Staatskanzlei NRW vom Referat ‚Grundsatzfragen der Medienpolitik’ begleitet.“ Damit stelle ich fest, dass sich die Frage nach dem Zusammenhang zwischen der Promotion von Eumann und der INLOK-Förderung meiner Kenntnis entzieht und nur von der Staatskanzlei NRW beantwortet werden kann.

Bemerkung Schraven: Das ist richtig. Herr Prof. Pöttker hat mitgeteilt, er wisse nichts von einer Verbindung. Das hatte ich allerdings so verstanden, dass nach Ansicht von Prof. Pöttker Eumann-Promotion und INLOK nichts miteinander zu tun haben. Nun gut, Herr Prof Pöttker möchte diesen Punkt aus seiner Sicht offen halte. Er will sich nicht festlegen, ob aus seiner Sicht Promotion und INLOK etwas miteinander zu tun haben. Er wird wissen warum.

Professor Horst Pöttker: Hinzu kommen eine Reihe von Lücken und Ungenauigkeiten. Das INLOK-Projekt wurde von mir nicht nur sechs Monate nach der mündlichen Doktorprüfung von Eumann beantragt, sondern vor allem sechs Wochen, nachdem die Ministerpräsidentin auf dem Medienforum NRW 2011 die Förderung der Weiterbildung von Lokaljournalisten aus öffentlichen Mitteln angekündigt hatte.

Bemerkung Schraven: Das ist sicher richtig. Nur ist es irrelevant. Da die Vorgespräche zum Projekt früher begannen – Laut Staatskanzlei im Juli 2011. Etwa 4 Monate nach der Promotion von Herrn Eumann. (Siehe PDFStaatskanzlei 1 Frage 3) Der Antrag auf Förderung stellte Pöttker erst weitere rund 4 Monate später.

Professor Horst Pöttker: Und es handelt sich nicht um den Verdacht eines Plagiats, also eines Diebstahls geistigen Eigentums, sondern um den Verdacht des illegitimen Erwerbs eines Doktortitels.

Bemerkung Schraven: Bei einem Selbstplagiat handelt es sich laut „Kommission zur Sicherstellung guter wissenschaftlicher Praxis“ an der TU Dortmund um ein Plagiat. (Siehe Merkblatt Plagiate der Kommission Punkt 2) Ob es sich bei der Eumann-Arbeit um ein solches Selbstplagiat handelt, ist hier die zu klärende Frage.

2 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. #1

    […] Teil der Vorarbeit zu der geplanten Stiftung „Vielfalt und Partizipation“ ist und dessen Rechtfertigung in Sachen Doktor Eumann und Medienstiftung trefflich zum Fremdschämen […]

    Medien: Pöttker, Eumann und die Unabhängigkeit | Ruhrbarone am 11. Januar 2013 um 09:14
  2. #2

    […] web:  Kommentar zur Stellungnahme von Horst Pöttker auf dem WAZ-Rechercheblog […]

    Doktorarbeit in der Kritik am 11. Januar 2013 um 19:10

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