FIFA-Chef Sepp Blatter im Kampf gegen Doping: Mehr Schein als Sein

18. Februar 2013 von | Keine Kommentare

Die FIFA hat auf die Diskussionen um Doping-Arzt Fuentes reagiert. Mit einem Pressetermin, der aufwärmt, was längst bekannt war. Die WADA lobt die FIFA. Dabei hat deren Anti-Doping-Kampf große Lücken.

[Alles zum Thema Doping im Fußball unter fussballdoping.de]

FIFA-Chef und Fußball-König Sepp Blatter hat sich am Donnerstag zum Händeschütteln mit John Fahey getroffen, dem Präsidenten der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA. Am Ende verschickte die FIFA eine Pressemitteilung. Damit bescheinigte sie sich selbst – mit Hilfe von Fahey – einen großartigen Kampf gegen Doping. Einige Medien griffen die Selbstbeweihräucherung der FIFA auf. Dabei steht in der Mitteilung kein Satz mit Neuigkeitswert, die Pläne der FIFA sind lange bekannt. Und ob sie tatsächlich so toll sind, sei dahingestellt.

“Neuerungen” waren schon lange bekannt
Jiri Dvorak ist gemeinsam mit Michel D’Hooghe Chefmediziner der FIFA. Dvorak kündigte schon im vergangenen Sommer im Interview mit fussballdoping ein biologisches Profil an für den Confed-Cup 2013 und die WM 2014. Er beschrieb exakt das System, dass die FIFA jetzt als Neuerung preist.

Der Termin der vergangenen Donnerstag verschickten Pressemitteilung ist auffällig, kommt er doch wenige Tage nach den Meldungen um Fuentes’ Fußball-Verbindungen. Dass die FIFA jetzt aktiv in die Öffentlichkeit geht, steht im Widerspruch zu den jahrelang bekannten Dopingproblemen im Fußball.

Zudem ist der neue Blutpass unzureichend. Jonathan Sachse hat das schon am Freitag in zwei Tweets zusammengefasst (hier und hier)

Das Grundproblem der Fußball-Kontrollen: Sie sind kaum koordiniert. Wenn die FIFA während eines Turniers Blut- und Urinkontrollen nimmt, die in Datenbanken einpflegt, auf EPO testet – bringt das nur wenig, wenn der Rest des Jahres ohne solche Tests abläuft. Wie Jonathan schreibt: Sportler und betreuende Doping-Ärzte können sich auf die Tests einstellen und sie entspannt umgehen.

Es gibt gleich mehrere Probleme
Erstens ist bislang kaum etwas zu hören vom Austausch zwischen UEFA, FIFA und Nationalverbänden. Solange Tests und Ergebnisse aber nicht abgestimmt werden, ist ein Anti-Doping-Kampf wenig effektiv. Zuletzt standen sich bei einer Trainingskontrolle bei Bayer Leverkusen NADA- und UEFA-Kontrolleure gegenseitig auf den Füßen.

Zweitens fehlen in vielen Verbänden entsprechende Kontrollen. In Deutschland zum Beispiel gibt es keine Blutkontrollen, angeblich sind diese zu teuer. Dabei ist der Deutsche Fußball Bund nach eigenen Angaben der größte Sportverband der Welt. Wenn es selbst die Deutschen nicht hinbekommen…

Drittens ist die FIFA selbst für die Kontrollen verantwortlich. Sie hat ihre eigenen Dopinkontrolleure, überwacht die Abnahme, reguliert den kompletten Prozess. Das ist zu großen Teilen auch in den Nationalverbänden so. In Deutschland nimmt der DFB die Wettkampfkontrollen selbst, bei den Trainingskontrollen gibt er die Spielregeln vor. Weil er keine Blutkontrollen will und kein Geld dafür zur Verfügung stellt, gibt es auch keine. Wenn die Verbände ihre eigenen Spieler kontrollieren, ist das wenig vertrauenswürdig.

Das Problem wird kleingeredet

Dass die FIFA und ihre Mitgliedsverbände nicht alles tun, um gegen Doping im Fußball vorzugehen, liegt auch daran, dass die Beteiligten kein echtes Problembewusstsein haben. Nicht nur Leute wie Vicente Del Bosque, Cristiano Ronaldo, Bayern-Sportdirektor Matthias Sammer oder BVB-Trainer Jürgen Klopp halten Doping im Fußball für nicht der Rede wert. Auch FIFA-Chefmediziner Jiri Dvorak erklärte im Interview mit uns, dass er Blutdoping im Fußball für nicht existent hält.

“Im Fußball gibt es nämlich keine Hinweise auf Blutdoping. Ein Viertel unserer Kontrollen werden auf EPO kontrolliert. Bei der WM 2002 haben wir bei allen Spielern Blutwerte genommen. Die Parameter lagen eher am unteren Ende der Skala, da gab es keinen Verdacht.” – Jiri Dvorak, FIFA-Chefmediziner

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