PeerBlog, Wir-in-NRW-Blog und Gelsenwasser: Ein Mann im Hintergrund

12. Februar 2013 von | 9 Kommentare

Steinbrück hat windige Helfer

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück hat Pech: Nach der Pleite rund um seinen Unterstützerportal “PeerBlog” rückt sein Netzwerk im Hintergrund immer stärker ins Licht. Dabei wurde nun nach Recherchen der WAZ bekannt, dass die Kontakte von Kanzlerkandidatenberater Hans-Roland Fäßler ausgerechnet zum Ruhrkonzern Gelsenwasser tiefer reichen, als bisher bekannt. Und auch hier ging es um einen Wahlkampfblog. Wie Gelsenwasser bestätigte, wurde Fäßler im NRW-Wahlkampf 2010 über seine Firma Polimedia vom Ruhrkonzern zwischen dem 24. März und 31. Mai 2010 bezahlt. Seine Aufgabe: Gelsenwasser „im Zusammenhang mit der Berichterstattung um den damaligen Blog ‚Wir in NRW’“ zu beraten. Eine Hilfe, die dringend nötig war, denn Gelsenwasser stand heftig unter Druck, als die Verbindung vom Konzern zum Wahlkampfblog aufgeflogen war. Heute gilt ausgerechnet jener Fäßler als einer der Männer hinter dem gescheiterten „PeerBlog“, der Kanzlerkandidat Peer Steinbrück aus der medialen Krise holen sollte.

Zur Erinnerung: Im Kampagnenblog „Wir-in-NRW“ veröffentlichten im NRW-Wahlkampf 2010 anonyme Schreiber rund um den ebenfalls anonymen “Theobald Tiger” Interna aus der CDU. Im März 2010 wurde dann enthüllt, dass im Büro der Gelsenwasser-Zentrale Dokumente der CDU eingescannt worden waren, die später auf dem Blog veröffentlicht wurden. Das pikante daran: Gelsenwasser gehört fast ausschließlich Kommunalbetrieben, die unter Kontrolle von SPD-geführten Städten sind. Der Aufsichtsrat wird etwa heute von Ottilie Scholz, Oberbürgermeisterin von Bochum (SPD) geführt – damals war sie stellvertretende Aufsichtsratschefin. Außerdem hat der Geschäftsführer der Stadtwerke Bochum, Bernhard Wilmert (SPD), eine tragende Rolle im Aufsichtsrat. Jener Wilmert, dessen Stadtwerke später Peer Steinbrück zu einer kostspieligen Rede nach Bochum einluden. Interessant ist dies, weil auch Steinbrück im März 2010 von Gelsenwasser engagiert wurde: für einen Vortrag im Rahmen des “Kommunalen Beirats” der Gelsenwasser AG bekam der heutige Kanzlerkandidat 10.000 Euro vom Wasserversorger.

Nach Bekanntwerden der Verbindung vom Scanner in der Gelsenwasser-Vorstandsetage zur Wahlkampfplattform beim Wir-In-NRW-Blog war vor diesem Hintergrund schnell die Rede von einem „Gelsengate“.

In dieser Notsituation setzte Gelsenwasser „in der Kommunikation“ auf Fäßler, um die Sache mit dem „Wir-in-NRW“-Blog zu schaukeln. Wie viel Geld Fäßler für die Beratung kassierte, ist offen. Gelsenwasser schweigt dazu.

Fäßler ist ein Kenner der NRW-Politszene. Seit 2004 ist bekannt, dass Hans-Roland Fäßler mit den damaligen NRW-Ministerpräsidenten Peer Steinbrück „freundschaftlich verbunden“ ist. So stand es jedenfalls als Antwort der Landesregierung auf eine kleine Anfrage der CDU nach den Kontakten von Fäßler und Steinbrück. Bei den Ratschlägen des Politprofis im Hintergrund von Steinbrück habe es sich aber nicht um „dienstlich veranlasste Beratung im kommerziellen Sinne“ gehandelt. Nein. Die Beziehung sei honorarfrei, Reisekosten und Spesen übernehme der Berater selbst.

Und mit noch einem Mann ist Fäßler verbandelt. Mit Karl-Heinz Steinkühler. Dieser war damals Landeskorrespondent des Focus in NRW und hatte von daher seit ende der neunziger Jahre öfters mit Fässler zu tun. Diese Verbindung wird an einem Punkt interessant: Steinkühler gilt nach seinem Rauswurf beim Focus als Enthüller „Theobald Tiger“ hinter dem „Wir-in-NRW“-Blog. Dem einzigen Mann aus dem Blogger-Team, der echte Geschichten aus dem Innenleben der CDU liefern konnte, mit denen sich dann die anderen anonymen Blogger schmückten. Steinkühler hat seine Rolle beim „Wir-in-NRW“-Blog nicht bestätigt. Noch im Wahlkampfjahr 2010 gründete Steinkühler eine Werbeagentur. Als einer der ersten Deals vermittelte der frischgebackene Public-Realtions-Mann Steinkühler ausgerechnet Steinbrück im November 2010 an die Großbank Société Générale für einen seiner 15.000-Euro-Vorträge.

Die Wege von Fäßler, Steinkühler und Steinbrück kreuzen sich nocheinmal. Diesmal beim „PeerBlog“, jenem gescheiterten Wahlkampfblog für den strauchelnden SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück.

Mittlerweile ist nämlich bekannt, dass ausgerechnet Fäßler, Steinkühler und Steinbrück im Herbst vergangenen Jahres zusammenhockten, um über den „PeerBlog“ zu reden. Es war die heiße Zeit der Diskussion um Steinbrücks Vortragshonorare. Wie die FAZ schrieb, sollte der Blog gegen die „Gatekeeper“ des traditionellen Journalismus gerichtet sein und eine virtuelle Gegenöffentlichkeit schaffen.

Finanzieren sollten den „PeerBlog“ Unternehmer. Welche? Das sagt bislang keiner. Wieviel Geld schon geflossen ist? Ein Geheimnis.

Gelsenwasser sagt jedenfalls, das Unternehmen selbst habe nichts für den „PeerBlog“ bezahlt. Und mit dem „Wir-in-NRW“-Blog habe man auch nichts zu tun.

Bis auf jene dubiose Verbindung halt, die im Fall „Gelsengate“ aufgeflogen ist, und zu deren Hintergründe sich Gelsenwasser auch unter dem neuen Chef Henning Deters weiter ausschweigt.

9 Kommentare zu diesem Beitrag

  1. #1

    Die Umstände, unter denen sich Steinbrück und Fäßler einerseits hinter “Freundschaftsbeziehungen” verstecken (um damit Transparenzpflichten zu umgehen?) und andererseits der Berater geschäftlich vom Zugang und den Informationen profitiert, die er durch die “Freundschaft” gewinnt, ist an sich bedenklich. Recherchieren Sie da weiter.
    Doch schon jetzt steht fest, dass Peer Steinbrück ein merkwürdiges Verständnis hat von dem, was Dienst an der Öffentlichkeit genannt wird: Erneut wird deutlich, dass er, während er aus Steuermitteln alimentiert wird, um ein Mandat im Deutschen Bundestag wahrzunehmen, parallel für Auftritte bei kommunalen Unternehmen (oder Unternehmen mit öffentlichem Versorgungsauftrag, die alle Mittel aus Gebühren und Beiträgen der Verbraucher und Steuerzahler erwirtschaften) Honorare kassiert. 10.000 Euro für einen Vortrag beim “kommunalen Beirat”? Welchen Inhalt hätte ein solcher Vortrag, dass er zusätzlich zur Abgeordnetendiät honoriert werden müsste?
    Steinbrück scheint eindeutig mehr am Abkassieren im eigenen Interesse als am Dienst für das Gemeinwohl interessiert zu sein. Denn dafür (für dem Dienst als Abgeordneter) wird er bereits mit einem fünfstelligen monatlichen Betrag besoldet.

    Uwe Alschner am 12. Februar 2013 um 23:13
  2. #2

    […] Steinbrück hat windige Helfer,« schreibt David Schraven im WAZ-Rechercheblog über die Verbindung zwischen Steinbrück, seinem Wahlkampfberater Hans-Roland Fäßler und dem […]

    Windig « FETTE-HENNE.INFO am 13. Februar 2013 um 00:18
  3. #3

    […] gegen die CDU-Landesregierung, engagierte Gelsenwasser den Steinbrück-Berater Fäßler, schreibt Schraven. Viel Staub aufgewirbelt Das Blog „Wir in NRW“ soll seine immer wieder behauptete […]

    Die Kollateralschäden des Peerblogs | Post von Horn am 13. Februar 2013 um 01:00
  4. #4

    […] PeerBlog, Wir-in-NRW-Blog und Gelsenwasser: Ein Mann im Hintergrund (WAZ Rechercheblog) – […]

    Links anne Ruhr (13.02.2013) » Pottblog am 13. Februar 2013 um 06:51
  5. #5

    […] Debatte II: PeerBlog, Wir-in-NRW-Blog und Gelsenwasser – Ein Mann im Hintergrund…WAZ Recherche […]

    Der Ruhrpilot | Ruhrbarone am 13. Februar 2013 um 07:04
  6. #6

    […] Peer­Blog, Wir-in-NRW-Blog und Gel­sen­was­ser: Ein Mann im Hin­ter­grund – Abgründe tun sich auf, da kann das Ruhr­ge­biet mit sei­nen Tage­brü­chen kaum noch mithalten. […]

    Neues aus dem Abfall, 13. Februar 2013 | Hendryk Schäfer am 13. Februar 2013 um 07:52
  7. #7

    Gelsenwasser macht also Politik.
    Wie französische Wasserversorger vorgehen http://www.youtube.com/watch?v=dLaVwYjfejw
    liegt im Trend, allerdings greift dort die Staatsanwaltschaft bei Bestechung ein. Versucht die Trennlinie zwischen Parteikonzern und öffentlichen Versorgungsunternehmen nicht versumpfen zu lassen.

    Hans am 13. Februar 2013 um 10:08
  8. #8

    […] in China. Sie nimmt solche Berichte nicht in ihre Presseschau auf – wie jetzt geschehen, bei David Schraven und mir. Warum sie das nicht tat? Wer weiß. Von Zensur kann sicher keine Rede sein. Die […]

    Zensur? Nie und nimmer | Post von Horn am 14. Februar 2013 um 01:30
  9. #9

    […] Recherchen zum PR-Mann Steinkühler sowie enger Berater von Steinbrück richtig in Gang. Es wurden personelle Parallelen zwischen dem PeerBlog und dem “Wir in NRW Blog” beleuchtet, die viele neue Fragen an […]

    Warum wurde dem PeerBlog tatsächlich der Stecker gezogen? › BrochureWarez am 16. Februar 2013 um 13:40

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